Meinung
Hunde-Kolumne

Friedas Nordseebesuch – da geht sicher noch was

Erstmals zu Besuch hoch oben an der Küste. Für den kleinen Hund war das noch nicht das Wahre

Während Frieda in ihrem Körbchen döst, blättert Herrchen in dem Buch „Einige Hunde“ von Jan Philipp Reemtsma. Darin geht es um die Darstellung unserer vierbeinigen Freunde in der Malerei – von Watteau bis Lucian Freud – und um die Frage, welche Funktion die Tiere dabei hatten. Hm.

Außer mir hat noch niemand Frieda gezeichnet – und das wird wahrscheinlich bis in alle Ewigkeit so bleiben. Und welche Funktion könnte man ihr zuschreiben: gute Laune oder Zickenalarm symbolisieren? Die Botschaft der Hundehalterwelt verbreiten?

In dem Buch ist eine Zeichnung von Max Liebermann, „Paar mit Hund im Kahn“, abgebildet. Könnten wir das sein? Frieda saß noch nie in einem Kahn, dabei ist sie eigentlich ein richtiger Wasserhund – Alster, Elbe, Ostsee, Sie wissen schon. Wenn ich mir ein Gemälde der sturmgepeitschten Nordsee vorstelle, müsste Frieda entweder als winziger Punkt vor einer Wellenwand auftauchen – oder hoch in der Luft, vom Winde verweht. Verdutzt müsste sie gucken, so wie sie es bei ihrem ersten Nordseebesuch eigentlich die ganze Zeit getan hat. Nach diesem raffinierten Übergang nun also zum Thema.

Von Friedas Silvesternacht will ich hier jetzt nicht mehr berichten, das ist einfach schon zu lange her. Nur so viel: In der nordfriesischen Provinz schießen die Menschen durchaus auch Raketen ab, sogar direkt neben Reetdachhäusern. Und geknallt wird, was das Zeug hält – so, als wolle man nicht nur das neue, sondern gleich alle kommenden 50 Jahre begrüßen. Frieda reagierte darauf im Zimmer mit Hin-und-her-Laufen und wütenden Bell-Attacken – mal in die eine, mal in die andere Richtung.

Irgendwann hatte sie sich dank trostreicher Zuwendung an das Geballere gewöhnt, beschäftigte sich mit ihrem Lieblingsknochen und schlief tief und fest ein.

Viel verdatterter wirkte sie eigentlich bei ihrem ersten Blick über die Nordsee. Auf Höhe vom Badestrand Tetenbüll kletterten wir einen windumtosten Deich hinauf, und dann breitete sie sich vor uns aus – die Landschaft, die sich ganz offiziell Weltnaturödnis nennen darf: von Rinnsalen durchzogenes Watt fast bis zum Horizont und ganz hinten ein wenig mehr Meer. Frieda registrierte knapp den Windräder-Wald rechter Hand („Nanu, Bäume, die sich oben drehen“, wird sie vielleicht kurz gedacht haben) und ging dann etwas unentschlossen mit nach unten.

Bevor Sie mir strenge Mails und Briefe schreiben: Ein Spaziergang mit dem angeleinten Hund ist dort an ausgewiesenen Stellen durchaus erlaubt. Frieda war auch nur ungefähr zwei Meter weit in dieser riesigen Matschwüste – Wattwürmer und andere Kostbarkeiten wurden von ihr keinesfalls behelligt. Nachdem sie ein bisschen herumgelaufen war, wurde nicht nur ihr langweilig. Mit fast schwarzen Pfoten verzog sie sich wieder in ihre Reisebox und döste ein.

Zweiter Versuch. Am Strand von St. Peter-Ording herrschte ein Betrieb wie am langen Sonnabend in der City. Unterhalb der Dünen traf mein Hundemädchen Dutzende Artgenossen – sie war übrigens als Einzige angeleint. Der Weg über den langen Steg in Richtung Meer klappte mehr schlecht als recht. Die arme Frieda trippelte zögerlich auf den ihr fremden Bohlen und bellte ununterbrochen. Ein Stück ließ sie sich tragen (kein Gebell), dann ging’s durch den endlosen Sand Richtung Wasser. Um es kurz zu machen: Die tosende Nordsee vor der Nase und den deftigen Wind im Fell, verweigerte mein lieber Hund schon bald eine Fortsetzung des Spaziergangs, und bestens gelaunt ging’s zum Auto zurück.

Ich weiß nicht, ich weiß nicht. Irgendwie ist der Funke nicht so recht übergesprungen. Wo die Nordseewellen an den Strand trecken, dor ist wohl nicht wirklich Friedas Heimat, und to Huus fühlt sie sich da auch noch nicht so richtig. Schuld ist natürlich wie immer Herrchen. An einem milden Sommertag werde ich mit Frieda wieder dorthin fahren und ihr den besonderen Reiz Nordfrieslands verdeutlichen. Das dauert ja nur noch wenige Monate.

Und wenn ich ihr die Nordsee dann immer noch nicht schmackhaft machen kann, gibt’s zum Trost dicke Fischbrötchen. Für uns beide.