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E-Mails zwischen Hamburg und Berlin

Lars Haider (l.) ist Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, Christoph Schwennicke ist Chefredakteur des Magazins "Cicero"

Lars Haider (l.) ist Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, Christoph Schwennicke ist Chefredakteur des Magazins "Cicero"

Foto: Laible/Cicero

Ein E-Mail-Wechselvon Abendblatt und „Cicero“

Christoph Schwennicke (r.), Chefredakteur des in Berlin produzierten Magazins „Cicero“, und Lars Haider, Chefredakteur des Abendblatts, pflegen eine E-Mail-Freundschaft, die wir jeden Sonnabend an dieser Stelle veröffentlichen.

Haider: Lieber Christoph, nur noch 48 Monate bis zur BER-Eröffnung, es läuft in Berlin. Was machen die Sondierungen?

Schwennicke: Wir können mal schauen, was wir hier eher haben: einen neuen Flughafen oder eine neue Regierung.

Haider: Es ist ernüchternd zu sehen, mit wie wenig Leidenschaft die Sondierer an die Regierungsbildung gehen. Als sei es nicht das Größte, ein Land wie das unsrige führen zu können. Du merkst, ich werde ganz pathetisch. Aber ein wenig Freude an dieser Aufgabe könnte irgendwer doch mal zeigen. Oder macht die Berliner Blase einfach stumpf?

Schwennicke: Nein. Die Sache liegt in meinen Augen anders. Keiner hat, bis auf die Grünen, mehr Lust, dieser Kanzlerin eine weitere Regierung zu stellen. Die FDP nicht, die SPD nicht, die CSU nicht und weite Teile der CDU auch nicht. Ohne Merkel gäbe es längst eine Regierung.

Haider: Und deshalb zögern die das alle so weit wie möglich hinaus, in der Hoffnung, dass Merkel irgendwann mürbe wird und von selbst geht?

Schwennicke: Ja, das ist das Kalkül. Oder dass sie eben in die Minderheits­regierung geht und dann bald scheitert.

Haider: Politik kann noch hinterhältiger sein, als ich gedacht habe.

Schwennicke: Das ist keine Frage der Hinterhältigkeit, sondern der Selbsterhaltung. Merkels Politikstil geht zulasten eines jeden Koalitionspartners sowie der Union selbst. Er geht übrigens auch zulasten des Landes und Europas.

Haider: Damit sagst auch Du: Sie muss weg? Dabei hat sie doch selbst für den Fall von Neuwahlen erklärt, dass sie weitermachen wird.

Schwennicke: Darf sie ja auch gerne. Damit ist sie aber noch lange nicht wiedergewählt. Die Union würde bei Neuwahlen mit Merkel als Kandidatin noch weiter einbrechen als im September. Dazwischen lag ihr Satz, sie wisse nicht, was sie hätte anders machen sollen. Das kam bei vielen, die sie unter Qualen wiedergewählt haben, verheerend an. Denn es signalisiert: Sie hat nichts begriffen. Auch das miserable Wahlergebnis nicht.