Meinung
Kolumne

Mehr Frischluft und (etwas) weniger Schlaf

Rückblick, Teil zwei: Wie das Leben mit Frieda den Alltag verändert, zeigt die Soll-und-Haben-Liste.

Das Jahr endete für Frieda mit einer angenehmen Überraschung: Zwei nette Nachbarinnen standen mit ihren Kindern vor der Tür und überreichten kleine Tüten voller Leckerli. In der Weihnachtskolumne hatten sie gelesen, dass es für den Hund von nebenan keine Geschenke geben sollte – und das gehe ja nun gar nicht. Frieda ließ sich ausgiebig streicheln und dankte mit einem kurzen Tänzchen. So leicht möchte ich auch mal Kontakte knüpfen.

Apropos: Für die heutige Kolumne hatte ich Ihnen ja als zweiten Teil des Rückblicks eine kleine Soll-und-Haben-Liste aus dem ersten Frieda-Jahr angekündigt, und da stehen neue Bekanntschaften ganz oben. Nie hätte ich gedacht, dass man mit Hund in so kurzer Zeit so viele neue Leute kennenlernen würde – und dann auch noch so nette. Und auch sonst hat das Jahr mit Hund eine Menge Veränderungen gebracht – weitere Beispiele:

Mehr Endorphine. Müdigkeit, Schneeregen, Dunkelheit – so fangen die Tage normalerweise über Monate in Hamburg an. Aber wenn Frieda morgens um mich herumhüpft oder mir ihren Streichelbauch entgegenstreckt, verursacht das Glücksgefühle pur. Dass die Nächte dank Frieda etwas früher enden – geschenkt. Ich kenne einen coolen Manager, dessen Jack Russell Terrier ihm nach jeder Geschäftsreise beim Wiedersehen bis auf die Schulter springt und vor Freude ununterbrochen jault. Da bleibt kein Auge trocken.

Mehr Bewegung. Ob man will oder nicht: Der Sprint durch den Park und der abendliche Gang um den Block gehören jetzt dazu, auch bei Nässe und Kälte. Das Tempo muss zwar Herrchen vorgeben, aber die Ausdauer gerade junger Hunde sollte man nicht unterschätzen. Dass man nach einiger Zeit dazu Joggingklamotten anzieht, ergibt sich fast von alleine. Ergebnis sind frische Gesichtsfarbe, keine Erkältungen, guter Schlaf. Übrigens: Durch die dauernden Spaziergänge in der Nachbarschaft betrachtet man die Umgebung jetzt auch viel aufmerksamer.

Mehr Wissen. Ehrlich gesagt hätte ich nie gedacht, dass ein Neu-Hundehalter so viel lesen muss. Das erweitert den Horizont, wobei man über die Sinnhaftigkeit mancher Informationen sicherlich streiten könnte. Und: Vom Hundestrand übers Fachgeschäft bis zum Tierarzt: Herrchen lernte eine Menge Einrichtungen kennen, die ihn früher nicht die Bohne interessiert haben.

Weniger Muße zu Hause. Zugegeben: Zeit zum Lesen oder Nichtstun gibt's deutlich weniger als früher. Die Hundezeit hört ja nicht mit dem Gassigehen auf, auch Spielen und Üben gehören zum Programm. Und wie bei kleinen Kindern beschäftigt man sich daneben auch noch dauernd mit Fragen wie "Hat sie gefressen?", "Hat sie geschlafen?" und Ähnlichem. Zwar können Spaziergänge und Hundetraining natürlich eine eigene meditative Kraft entwickeln, aber das (ohnehin schon sehr seltene) planlose Rumhängen in den eigenen vier Wänden fehlt manchmal schon.

Mehr Logistik-Stress. Raus aus der Bürohose, rein in die alte Jeans. Braucht man für den Park heute Gummistiefel, und wieso ist die Jacke schon wieder voller Matschspritzer? Das dauernde Umziehen nervt manchmal ganz schön, oben drauf kommt das Ein- und Umpacken von Leckerli, Bällchen, Gassibeuteln und die Wahl der richtigen Leine. Gehört aber nun mal zum Programm.

Weniger Toleranz. Ich habe sehr viel Verständnis für Menschen, die sich vor Hunden fürchten oder sie aufgrund irgendwelcher unerfreulicher Erfahrungen nicht leiden können. Aber Leute, die Hunde aus purer Exzentrik einfach "nur so" hassen, sie dumm oder ekelhaft finden, ohne sich jemals mit ihnen beschäftigt zu haben, sind für mich erledigt. Die können sich ja gerne andere Ansprechpartner suchen, aber ich möchte nicht mehr dazugehören.

Unterm Strich bleibt: Zu keinem Zeitpunkt habe ich den Alltag mit Frieda als Belastung empfunden, sondern stets als Bereicherung. Dank guter Vorsätze, die dann auch umgesetzt werden müssen, wird es hoffentlich auch 2018 so bleiben. Was sich Frieda und ihr Herrchen für das neue Jahr vornehmen könnten, erfahren Sie in der kommenden Woche.

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