Meinung
Glosse

Niki-Air oder: Einsteigen zum Geisterflug

Die App ist ausgesprochen höflich. "Guten Flug nach Innsbruck" wünscht man mir seit Wochen, der Check-in für Flug HG8842 sei "in 66 Tagen möglich". Mit der Präzision eines Metronoms aktualisiert sich die App im Minutentakt.

Also alles in Butter mit unserem lang geplanten Flug in den Familien-Ski-Urlaub nach Südtirol? Leider nein. Flug HG8842 ist in keinem Flugplan der Welt mehr verzeichnet, die insolvente Niki Air fliegt wie Pleite-Mutter Air Berlin nur noch virtuell durch Raum und Zeit.

Aber wer programmiert noch die App? Sitzt irgendwo im Keller der verwaisten Konzernzentrale ein von leeren Pizzakartons umgebener Nerd, der unverdrossen den Flugplan in den Computer hackt? Vielleicht hat man ihn einfach vergessen. Und ihm nicht gesagt, dass der Laden längst dichtgemacht wurde.

Oder geht die Geschichte in Wahrheit ganz anders? Womöglich will Firmengründer Niki Lauda das Aus für sein Lebenswerk schlicht nicht akzeptieren. Still und heimlich hat er sich mit einem seiner Flieger davongemacht, in dem ganzen Chaos zwischen Fast-Rettung und Pleite hat das einfach keiner gemerkt. Ein cleveres Bürschchen war der Österreicher ja schon immer.

Und jetzt wartet Niki Lauda also Tag für Tag an ausgewählten Flughäfen auf Gäste, die an ihn und seine App glauben. Genau deshalb hat er seinen Job als RTL-Formel-1-Experte überraschend gekündigt. Also wird er am 9. März um 6 Uhr irgendwo im Dunkel des Rollfelds an der Gangway stehen, schon von Weitem erkennbar an der leuchtend roten Schirmmütze. "Steigt's ein", wird er rufen, eigenhändig die Koffer in den Bauch des Airbusses A 320 wuchten. Und höchstpersönlich wird uns der einstige Formel-1-Weltmeister dann nach Innsbruck fliegen, Cockpit-Besuch inklusive.

Niki, wir kommen!

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