Meinung
Kolumne

Zwischen Hamburg und Berlin

Lars Haider (l.) ist Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, Christoph Schwennicke ist Chefredakteur des Magazins "Cicero"

Lars Haider (l.) ist Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, Christoph Schwennicke ist Chefredakteur des Magazins "Cicero"

Foto: Laible/Cicero

Ein E-Mail-Wechsel von Abendblatt und „Cicero“.

Christoph Schwennicke (r.), Chefredakteur des in Berlin produzierten Magazins „Cicero“, und Lars Haider, Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, pflegen eine E-Mail-Freundschaft, die wir jeden Sonnabend an dieser Stelle veröffentlichen.

Haider: Lieber Christoph, bevor ich Dich in die Weihnachtspause entlasse, brauche ich natürlich Deine Gesamtbewertung für das politische Jahr 2017. Ich finde, es ist viel besser geworden, als viele vor einem Jahr zu Weihnachten befürchtet hatten. Aber wahrscheinlich ist das meinem optimistischen Grundnaturell geschuldet.

Schwennicke: Da haben wir ausnahmsweise was gemeinsam. Ich bin ein hoffnungsloser Optimist, auch wenn das wie ein Widerspruch in sich selbst klingt. Ja, 2017 war gut. Die „Dinge“, wie Frau Merkel sagen würde, klären sich.

Haider: Soll heißen: Europäische Union und Nato zerfallen nicht, Trump ist unberechenbar, aber nicht akut gefährlich, die Wirtschaft läuft. Und dass wir keine neue Regierung haben, merkt man gar nicht. Sind das die „Dinge“?

Schwennicke: Hab ich jetzt nicht gemeint, die weltpolitischen Belange. Sondern das hiesige Bild. Da hat es eine Wahl gegeben, deren Botschaft manche nicht richtig verstehen wollten. Aber das Ergebnis setzt sich eben doch allmählich durch. Hast Du mal ins Gesicht der Kanzlerin geschaut?

Haider: Von Hamburg aus sieht das aus wie immer, finde ich.

Schwennicke: Ich nicht. Das Liebenswerte an unserer Kanzlerin ist, dass ihre Mimik so sprechend ist. Und wie frohe Weihnacht sieht sie derzeit nicht aus.

Haider: Warum hat sie schlechte Laune? Scheint doch alles auf eine neue GroKo hinauszulaufen.

Schwennicke: Ja. Weil sich zwei Wahlverlierer unterhaken und gegenseitig stützen. Sie und Martin Schulz. Violent Femmes, eine eigenwillige Band, hat dazu mal einen passenden Albumtitel gemacht.

Haider: Der wie lautet?

Schwennicke: „The Blind Leading the Naked“.

Haider: Und wird Schulz Außenminister?

Schwennicke: Wenn die Große Koalition kommt, wird er das anstreben, nehme ich an, ja. Den Fehler haben schon andere vor ihm gemacht: nicht nach dem Finanzministerium zu greifen.