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Hamburg ist keine Radstadt

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Jens Meyer-Wellmann

Mieses Wetter und weite Wege stören rot-grüne Pläne

Dieser Tage ist das Wünschen ja geradezu Pflicht. Erst zu Weihnachten und dann fürs neue Jahr wünschen wir uns Glück, Gesundheit, Geschenke und gutes Essen. Die Grünen wünschen sich außerdem mehr Fahrradfahrer. Nicht nur im Dezember, sondern immer und überall. Das Blöde an Wünschen ist, dass sie nicht immer in Erfüllung gehen. Und dass man ihre Erfüllung nicht erzwingen kann. Das zeigen auch die aktuellen Zahlen zur Fahrradnutzung der Hamburger. Obwohl der Senat seit 2015 besonders energisch für den Umstieg aufs Pedalgestell trommelt, fahren die Hamburger derzeit sogar weniger Rad.

Zwar gibt es keine Erhebung, warum der rot-grüne Plan, Hamburg zur „Fahrradstadt“ zu machen, derzeit zu floppen oder jedenfalls zu stocken scheint. Aber einer liegt auf der Hand: Das Wetter in dieser Stadt ist (zuletzt) einfach zu mies. Und die meisten Menschen haben schlicht keine Lust, durch klatschkalten Dauerregen einer grau umwölkten Großstadt zu radeln – um dann nass und verfroren ins Büro zu kommen. Die Allwetter-Extremradler werden zwar hier und da bewundert. Zu einem Massenphänomen werden sie aber nicht. Der gemeine Mensch hat es lieber warm und bequem. Das werden auch moralische Ansprachen nicht ändern. Hinzu kommt: Hamburg ist viel größer als zum Vergleich herangezogene „Fahrradstädte“ wie Kopenhagen oder Münster. Also sind auch die Wege weiter. Und es macht einen Unterschied, ob man fünf oder 15 Kilometer zur Arbeit radeln soll.

Das heißt nicht, dass die (bis 2016 erfolgreiche) Fahrradpolitik falsch ist. Mehr Radverkehr hilft gegen Lärm und schlechte Luft – und der Gesundheit der Radler. Eine Millionenstadt in rauer Klimazone braucht aber ein integriertes Konzept für jedes Wetter und alle Verkehrsträger. Das Fahrrad ist einer davon – aber nicht der einzig wichtige.

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