Meinung
Leitartikel

Rettet das Schullandheim Puan Klent!

Matthias Iken

Matthias Iken

Foto: Andreas Laible / Hamburger Abendblatt / Andreas L

Ohne Not hat sich die Sozialbehörde in eine schwierige Lage manövriert.

Politik lebt immer auch von Symbolen. In der Sache können sie klein erscheinen und wachsen dann urplötzlich zu einem großen Problem. Vermeintliche Nichtigkeiten weiten sich aus zu Skandalen. Die hohe Kunst der Politik besteht darin, rechtzeitig zu wittern, was nichtig bleibt – und was wichtig wird. In der Sozialbehörde scheint diese Fähigkeit unterentwickelt zu sein. Anders kann man nicht erklären, warum ausgerechnet diese üppig finanzierte und robust ausgestattete Sozialbehörde dem Hamburger Jugendlandheim Puan Klent den Geldhahn zudreht. Die Institution musste nun Insolvenz anmelden.

In der Sache mag die Kritik der Behörde an den Betreibern nachvollziehbar sein, in ihrer Symbolik aber hat die Sozialbehörde kurz vor Weihnachten einen schweren Fehler begangen. Offenbar wussten die Entscheider in der Hamburger Straße nicht, was sie tun: Denn Puan Klent, das Jugendgästehaus an der Wattseite, ist ein Hamburger Sehnsuchtsort, aufgeladen mit Geschichte, überladen mit Erinnerungen. In unübersichtlichen Zeiten gewinnen diese Orte noch an Wucht – da helfen weder Natur- noch Denkmalschutz.

Schon die Gründung nach dem Ersten Weltkrieg war eine Hamburgensie – hier sollten unterernährte Kinder und Jugendliche aus Hamburg und Altona zu Kräften kommen. Bald übernahm der Hamburger Jugendverband das Gelände. Generationen von Kindern und Jugendlichen erholten sich an der Nordsee, verbrachten dort ihre Klassenfahrten oder machten Urlaub mit den Eltern.

Puan Klent steht mit dieser Geschichte für die Vielfalt der Insel, die mehr ist als Golfhotel oder Gogärtchen, Sansibar oder Schampusparty. Sylt ist nicht nur ein Jahrmarkt der Eitelkeiten, sondern auch Traumziel der kleinen Leute. Einrichtungen wie diese haben Wind, Wasser und Wellen für alle erschwinglich gemacht. Als Hamburger Schullandheim spielte die soziale Komponente stets eine wichtige Rolle. Auch das machte Puan Klent zu einer Institution.

Mit Sehnsuchtsorten sollte man indes nicht nur als Betreiber, sondern auch als möglicher Förderer sensibel umgehen. Die Behörde verwehrt nun 200.000 Euro, weil sie an dem tragfähigen Konzept der Stiftung Puan Klent zweifelt. Da darf man auch an Strategie und Geschick der Behörde zweifeln: Warum wurde nicht längst auf eine Grundfinanzierung der Stiftung umgestellt? Den Sanierungsstau gibt es nicht erst seit gestern. Nun konnten der ehemalige Zweite Bürgermeister Alfons Pawelczyk (SPD) und die Stiftung binnen kurzer Zeit bei Sponsoren Zusagen in beträchtlicher Höhe mobilisieren; die Bundestagsabgeordnetem Johannes Kahrs (SPD) und Rüdiger Kruse (CDU) hatten im Herbst 15 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Warum hat die Behörde ihre Vorbehalte nicht schon damals kommuniziert? Die Insolvenz dürfte die Rettung erschweren.

Senatorin Melanie Leonhard (SPD) bekommt eine Debatte, die sie sich nicht zu Weihnachten gewünscht hat. Wütend zählen ihre zahlreichen Kritiker auf, wofür die Hamburger (Sozial-)Politik sonst viel höhere Summen zur Verfügung stellt. Das mag unfair sein, aber bedient das Gefühl mancher in der Mitte der Gesellschaft, gerne vergessen zu werden. Um dem entgegenzuwirken, muss die Behörde rasch mit einem Plan für die Sanierung und Fortführung des Schullandheims in die Offensive kommen. Oder sie wird erleben, wie sich eine Kleinigkeit zum großen Problem auswächst.

Hamburger Schullandheim Puan Klent insolvent – das Aus droht