Meinung
Kommentar

Weniger Fluglärm – gut für Hamburg

Experten-Kommission will Nachtflugverbot in Fuhlsbüttel leicht ausweiten.

Protest wirkt. Zumal wenn er so nachhaltig vorgetragen wird wie der gegen den zumindest gefühlt ständig steigenden Fluglärm in Hamburg: 15.000 Unterschriften unter eine Petition für ein deutlich strengeres Nachtflugverbot innerhalb kürzester Zeit – nötig wären nur 10.000 gewesen; 90.000 Beschwerden lärmgenervter Anwohner im vergangenen Jahr über extrem laute Maschinen und Verstöße gegen das Nachtflugverbot.

Schon diese Zahlen zeigen, wie sehr gestört in ihrer Ruhe sich die Menschen in der Stadt und im von Starts und Landungen betroffenen Umland fühlen. Jetzt reagiert die Fluglärmschutzkommission und empfiehlt mit einer Mehrheit ihrer Mitglieder eine Verschärfung der „Verspätungsregelung“. Aber reichen die Vorschläge aus?

2017 dürfte „das lauteste Jahr am Flughafen werden“, mutmaßt der Bund für Umwelt- und Naturschutz. Also das lauteste Jahr für mehr als 200.000 betroffene Menschen. Mehr als 800 Flüge waren allein bis September verspätet, Ende des Jahres könnten es 1000 sein.

Folgt der Senat den Anregungen der Lärmkommission, in der unter anderem Bürgerinitiativen, Fluggesellschaften und die Handelskammer mitwirken, darf keine verspätete Maschine mehr nach 23 Uhr starten oder nach 23.30 Uhr landen. Das hieße für die Anwohner: eine halbe Stunde weniger Lärm als bislang. Immerhin 30 Minuten mehr Nachtruhe, aber auch nicht mehr. Der BUND fordert hingegen ein konsequentes Nachtflugverbot ab 22 Uhr.

Zudem will die Fluglärmschutzkommission künftig innerhalb von fünf Tagen über jeden Grund einer Verspätung informiert werden, wissen will sie auch den Namen des jeweiligen Piloten. Von der sicher effektivsten Maßnahme für mehr Pünktlichkeit ist hingegen keine Rede in den Empfehlungen: einer nochmals deutlich erhöhten Verspätungsgebühr.

Was klingt wie moderner Ablasshandel, könnte für Anwohner eine spürbare Verbesserung ihrer Lebensqualität bringen: Airlines, die zu spät in Hamburg landen, sollten das auch finanziell deutlich stärker spüren als bislang. Wer immer wieder zu spät kommt, sodass man sogar einen systematischen Fehler vermuten kann, sollte das nochmals teurer bezahlen. Vielleicht gelänge es ja so, die Belange einer Wirtschaftsmetropole mit ihren Anforderungen an einen funktionierenden Flugbetrieb und den Anspruch der Anwohner, gesundheitsgefährdenden Fluglärm spürbar zu reduzieren, besser in Einklang zu bringen.

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