Meinung
Kolumne

Warum Frieda so gut gegen Herbstblues ist

Blätter fangen, Krähen jagen, Nieselregen trotzen. Mit unserem Labradoodle gibt’s viel zu gucken und zu lachen.

Zweieinhalb Wochen Urlaub ohne Frieda – leicht war das nicht. Ich gebe zu, dass wir uns immer mal ein paar Fotos und kleine Filme auf die Handys schicken ließen, um uns von ihrem Gedeihen und Wohlergehen zu überzeugen. Skypen? Nun, das wäre wohl übertrieben gewesen.

Ein Freund von mir hat seinen Hund von diversen Geschäftsreisen immer mal angerufen und mit ihm gesprochen. Die Kommunikation war dann natürlich recht einseitig. So oder so: Unterwegs haben wir uns wie alle Eltern oder Zieheltern verhalten, nämlich immer viel von Frieda erzählt und alle möglichen anderen Hunde mit ihr verglichen. Nichthundehalter (die ja nicht automatisch Hundegegner sind) hörten dann immer nachsichtig-geduldig zu und unterdrückten manchmal sicherlich auch ein Gähnen. Und unser dauerndes „Genau wie Frieda“ hatte sich zuletzt auch etwas abgenutzt. Sie selbst soll während unserer Abwesenheit bei Menschen, die uns ähnlich sahen, immer mal abrupt stehen geblieben sein und kurz gecheckt haben, ob es ihre Zieheltern sein könnten. Etwaige Enttäuschung war ihr dann aber wohl nicht anzumerken.

Am meisten vermisst habe ich diese Begrüßungsfreude morgens. Bei aller Wertschätzung für meine Mitmenschen muss ich doch festhalten, dass sich kein Zweibeiner nach ein paar Stunden der Trennung so unbändig über ein Widersehen mit einem verschlafenen Hausgenossen freuen kann wie ein Hund. Niemand ist jemals so ausgiebig um mich herumgetanzt oder hat mich so überschwänglich angesprungen und abgeschmatzt wie die kleine Frieda. Nicht auszudenken, wenn das ein Mensch täte; ich möchte es mir auch lieber gar nicht vorstellen.

Nachdem wir das Wiedersehen tagelang zelebriert hatten („Groß ist sie geworden – und noch hübscher“), ist mittlerweile der überhaupt nicht schnöde Alltag eingekehrt. Der erste Hamburger November mit Frieda macht viel mehr Spaß als ohne sie, denn ein Hund – das ist meine Botschaft für heute – hilft locker über jeden möglichen Herbstblues hinweg. Warum? Weil es faszinierend und lustig ist, wie so ein Tier auf die Veränderungen der Natur reagiert, die es mit seinen knapp sieben Monaten ja noch gar nicht kennen kann. Faszination, Verwunderung, Ärger – vieles geht ihr jetzt offenbar durch den kleinen Kopf.

Mit ungeheurer Energie stürzt sich Frieda zum Beispiel immer wieder auf das umherwirbelnde Herbstlaub, dauernd schnappt sie sich große Blätter, die sie wohl mit Mäusen verwechselt. Als „Schönwetterhund“ drückt sie sich beim Gassigehen immer so lange wie möglich an der Hauswand entlang, um dann – mit einem ärgerlichen Blick nach oben – in den kühlen Nieselregen zu tappen. Seit die Hecke zur Straße viele Blätter verloren hat, sieht Frieda plötzlich lauter Menschen, die es so vorher nicht gab. Völlig konsterniert starrt sie dorthin, knurrt gelegentlich auch wie ein Mini-Wachhund. Mit anderen Tieren kommt sie eigentlich gut klar – außer mit den vielen Krähen, die nun auf den Hunde-Auslaufflächen herumsitzen. Die werden von Frieda so energisch verfolgt, bis sie nur noch ein kleiner Punkt in der Ferne sind. Stolz kommt sie dann zurück – und ziemlich müde. Was sie mit den dicken Spinnen macht, die jetzt immer wieder in der Wohnung auftauchen, möchte ich aber hier lieber nicht ausführen.

Ein Highlight aus der letzten Zeit war Friedas Tanz um eine leckende Dachrinne. Minutenlang versuchte sie, die dicken Wassertropfen aus der Luft zu schnappen und sich gleichzeitig vor der entstandenen Pfütze in Sicherheit zu bringen – mit mittelprächtigem Erfolg. Und über ihre Reaktion auf den zweifelhaften Genuss von frisch hergestelltem sprudelnden Apfelsaft muss ich immer noch grinsen. Nur ganz kurz hatte sie ihre Zunge in das Glas gesteckt, das auf dem Fußboden stand, aber die Reaktion war trotzdem eindrucksvoll: Völlig fassungslos umkreiste sie das Getränk mit wütendem Gebell. Kribbelnder Sprudel und Frieda – das geht offenbar gar nicht.

Wie gesagt: Mit einem Hund kann kein Herbstblues aufkommen – mal sehen, was der Winter so bringt.