Meinung
Kommentar

Die CSU – ein Haifischbecken

Seehofers Partei ist ein Risikofaktor bei den „Jamaika“-Gesprächen.

Das aufregendste Bassin in einem Aquarium ist das Haifischbecken. Das ist der Lebensraum von Markus Söder und Horst Seehofer, den CSU-Männern, die sich gerade die Zähne zeigen.

Finanzminister Söder bestärkt die Kritiker seines Parteichefs und Ministerpräsidenten , lobt die Junge Union dafür, dass sie einen Übergang an der Spitze der bayerischen Regierung fordert. Gewünscht ist ein geordneter Übergang, gemeint ist, dass Seehofer das Feld räumt. Auch das kennt man aus dem Haifischbecken: Kampf oder Flucht. Seehofers Flucht wäre für Söder bequem. Es ist der häufigste Ablauf von Machtkämpfen. Es gibt mehr Politiker, die aufgeben, als solche, die scheitern.

Halten wir die Fakten fest: Erstens, Söders Loyalität zu seinem Chef ist weder oberflächlich noch geheuchelt. Sie ist keine mehr. Wenn er stark genug wäre, gäbe es für Seehofer nur eine Reaktion: ihn aus dem Kabinett zu entlassen. Zweitens, für Seehofers Kritiker ist sein Verweis auf die Gespräche in Berlin nur ein Spiel auf Zeit. Sie halten den 68-Jährigen nicht mehr für den Mann, dem die Zukunft gehört. Für die spannendste Frage muss man sich, drittens, in die Rolle der FDP und Grünen in Berlin versetzen. Sie müssen sich fragen, ob Seehofer tariffähig ist. Lohnt es sich, mit diesem Mann abzuschließen?

Die CSU ist nicht nahe bei sich, nicht nahe bei der CDU, sie ist eine Partei in Aufruhr. Und damit das größte Risiko für ein Jamaika-Bündnis, weil sie bereits im Startjahr einer solchen Koalition beim Landtagswahlkampf in Bayern um sich schlagen wird. Schon die SPD hatte im Bund darunter zu leiden, dass die Unionsparteien nicht mit sich im Reinen waren. CDU, FDP und Grüne dürften klare Verhältnisse bei der CSU herbeisehnen. Andernfalls kann 2018 kein vertrauensbildendes Jahr werden.