Meinung
Kommentar

Den Sinnen vertrauen statt Mindesthaltbarkeit

Mindesthaltbarkeit ist nur ein Indiz, ob ein Lebensmittel noch genießbar ist.

Um ihrem Nachwuchs den respektvollen Umgang mit Lebensmitteln beizubringen, sprechen Eltern gern von den armen Kindern in Afrika, die nicht genug zu essen haben. Dabei geht es ihnen in erster Linie darum, ihren Kleinen beizubringen, dass man mit Essen nicht spielt und dass Nahrungsmittel wertvoll sind.

Die Erwachsenen sollten sich an die eigene Nase fassen – sie sind es selbst, die viel zu viele Lebensmittel in den Müll werfen. Der Joghurt ist alt – weg damit. Der Salatkopf ist außen schon ein bisschen welk – auch weg. Das Brot von vorgestern – ab in die Tonne. Im Schnitt wirft jeder Deutsche pro Jahr 81,6 Kilo Lebensmittel weg. Weil wir zuviel einkaufen und vieles nicht richtig lagern. Aber auch, weil viele Konsumenten immer noch nicht verstanden haben, dass das Mindesthaltbarkeitsdatum, das auf Lebensmitteln aufgedruckt ist, eben genau das ist: ein Datum, bis zu dem sie auf jeden Fall genießbar sind, meistens aber deutlich länger.

Initiativen gegen Lebensmittelverschwendung sind ein wichtiger Beitrag, um uns Verbraucher zu sensibilisieren. Unsere Wegwerfmentalität betrifft zuallererst das Portemonnaie. Offenbar packen wir zu viel in den Einkaufswagen, könnten also eine Menge Geld sparen. Dazu kommt: Für die Herstellung werden Rohstoffe, Energie und Wasser benötigt – eine unsagbare Verschwendung von Ressourcen. Die Entsorgung kostet dann noch einmal Geld.

Lebensmittel heißen so, weil sie leben, sagen Experten mit einem Augenzwinkern. Deshalb können sie sich verändern, wenn sie älter werden, sie werden auch mal sauer oder schimmelig. Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist nur ein Indikator. Einfach dran riechen, schmecken und anschauen. Dann merkt man schnell, wann ein Produkt ein Fall für die Mülltonne ist.