Meinung
Kolumne

Braucht Frieda eine Ultraschall-Zahnbürste?

Oder eine portable Stranddusche? Auf der ersten Hamburger Hundemesse gab es tierisch viel zu sehen.

Der 10. Oktober ist Welthundetag und merkwürdigerweise auch seit vielen Jahren mein Geburtstag. Na, wenn das nicht einen tieferen Sinn hat. Wie auch immer: Um das Datum gebührend zu feiern, hatte ich mir etwas Besonderes für Frieda ausgedacht: einen Besuch bei der ersten Hamburger Hundemesse. Unterhaltung und Nützliches zu verbinden ist ja immer recht sinnvoll, und die Vierbeiner waren ausdrücklich mit eingeladen.

Um solche Veranstaltungen hätte ich in meiner Vor-Frieda-Zeit vermutlich einen großen Bogen gemacht, nun war ich sogar richtig neugierig. Unglaublich voll war es vor Ort, und hinter den Türen erschloss sich eine Art Disneyland für den Hund, aber vor allem für Frauchen und Herrchen.

Elektrisierend geradezu die Abteilung für den "stylischen" Hund. Da gab es Halsbänder mit Tiermotiven, sehr hübsch und aufwendig gestaltet … Ehrlich gesagt dachte ich im ersten Moment sogar, das seien Armbänder für die Hundehalterinnen. Ich sah schicke kleine Designermöbel, die wie Mini-Sessel mit flauschigem Bezug aussahen. Frieda würde sich daran wahrscheinlich mit Wonne die Krallen wetzen. Auch die schön gestickten Decken sind wohl eher für ruhigere Hunde geeignet. Darauf liegend könnten sie sich dann zum Beispiel vom Tier-Osteopathen behandeln lassen. Auch eine portable Stranddusche für Hunde sah ich. Ob man die als Herrchen mit benutzen kann? Sogar Tassen waren im Angebot, die wie breite Kaffeebecher aussahen, aber natürlich mit Wasser gefüllt werden sollen. Oder?

Es ist ja immer leicht, sich über solche Sachen lustig zu machen. Allerdings sind mir zwei Punkte mittlerweile klar: Ein Hund ist für manche ein Familienmitglied, für andere ein Hobby – das kann jeder sehen, wie er möchte. So oder so: Die Menschen investieren viel Geld und Energie in das Wohlbefinden ihrer zweibeinigen Lieben – warum dann beim geliebten Hund mit beidem sparen? Die einen kaufen sich eben dauernd neue Klamotten oder fahren exzessiv in Urlaub, andere geben ihr Geld für eine Ultraschall-Hundezahnbürste oder einen Hundeschlafsack aus. Ich finde das nachvollziehbar, denn – und da sind wir beim zweiten Punkt: Wer seinem Hund etwas Schönes gönnt, muss damit noch lange kein Geizkragen sein, wenn es um die Belange von anderen Menschen geht. Viele Hundehalter, die ich in den vergangenen Monaten kennenlernte, sind jedenfalls mitfühlend, hilfsbereit und tolerant, also keine Eigenbrötler, bei denen sich alles nur um den Hund dreht. Anders gesagt: Wer neue Felgen am Auto wichtig und cool findet, sollte nicht die Nase über ein schönes Hundehalsband rümpfen.

Beim Rausgehen betrachtete ich noch flugs das viele gute Hundefutter vor Ort – sogar mit Bio-Siegel und in recycelten Verpackungen wurde es angeboten. Etwas für Hundegeburtstage war auch dabei: eine Reihe dicker Leckerli in einem Kästchen mit dem Aufdruck "Happy Birthday". Was es nicht alles gibt. Während ich es betrachtete, kam ich mit einer netten Dame ins Gespräch. Sie erzählte mir, dass sie ihren Hunden immer etwas Distelöl über das Futter träufelt, weil das angeblich schönes Haar macht. Hm. Kann ich ja auch mal ausprobieren. Bei Friedas Essen – und bei meinem eigenen natürlich auch. Denn schöne(re)s Haar hätte ich auch gerne.

Und Frieda? Die hatte von der ganzen Veranstaltung nicht viel mitbekommen und auch auf den Genuss der vor Ort angebotenen Leckerli verzichtet. Wegen des dichten Gedrängels war sie mit ihrem Frauchen nämlich draußen vor der Tür geblieben – sie ist ja noch ziemlich klein. Dort hatte sie Grasbüschel inspiziert und Fliegen gejagt. Und natürlich mit den Hunden gespielt, deren Halter es genauso gehandhabt hatten. Da ging es dann so zu wie seit Jahrhunderten – und das ganz ohne Bio-Siegel und Design.

Übrigens: Wenn wir Friedas Zieheltern sind, hat sie auch noch ein paar Ziehgeschwister. Und die kümmern sich um sie, wenn wir jetzt 14 Tage verreisen. Zwei Wochen müssen Sie jetzt also ohne die Frieda-Kolumne an dieser Stelle auskommen. Aber für mich ist es noch schlimmer: 336 Stunden ohne Frieda – wie soll ich das bloß aushalten? Ich werde es Ihnen bald berichten.

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