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Leistung muss sich wieder lohnen!

Spitzensportler gründen am Sonntag den Verein "Athleten Deutschland". Es geht um mehr Geld und Einfluss

Am Mittwochabend haben die Volleyballer der SVG Lüneburg ihr neues Bundesligateam vorgestellt. Zwölf Spieler aus vier Ländern. In den vergangenen zwei Monaten hatten die Profis in der Saisonvorbereitung gerade zwei Tage frei; während der Serie stehen im nächsten halben Jahr wöchentlich bis zu zehn Trainingseinheiten an, dazu Pflege und Videostudium. Die Lüneburger sind stolz, dass sie ihren Etat noch einmal um 40.000 Euro erhöhen konnten auf jetzt 590.000 Euro. Darin sind Reise- und Organisationskosten enthalten. Fußballclubs, das nur zum Vergleich, erhielten für dieses Jahressalär höchstens einen eher mäßig begabten Kicker.

Eine andere Zahl: Die Stiftung Deutsche Sporthilfe schüttet jedes Jahr rund 13 Millionen Euro für 3300 Sportler in olympischen Disziplinen aus. Beim FC Bayern München verdient diese Summe schon mal ein einziger Profi.

Dass sich Leistung wieder lohnen soll, klingt für viele Spitzensportler in Deutschland wie Hohn. Das mag ein Grund dafür sein, dass sie an diesem Sonntag in Köln den Verein "Athleten Deutschland" gründen werden, eine Art Sportler-Gewerkschaft. Sie versprechen sich mehr Eigenständigkeit, mehr Einfluss bei Politikern, Parteien, Wirtschaftsmanagern – und in ihren eigenen Fachverbänden. Und es geht um klare Positionen im Kampf gegen Doping und Manipulationen, um Chancengleichheit im internationalen Wettstreit, den das Internationale Olympische Komitee (IOC) sauberen Sportlern trotz gegenteiliger Beteuerungen weiterhin nicht gewährt. IOC-Präsident Thomas Bach spielt dabei eine traurige Rolle, weil er konsequent Konsequenzen vermeidet.

Vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) fühlen sich die Athleten in all diesen existenziellen Angelegenheiten offenbar nicht angemessen und energisch genug vertreten, entsprechend zurückhaltend äußerte sich der DOSB zu dieser Initiative. Immerhin haben die Nationale Anti-Doping Agentur (Nada) und die Sporthilfe Unterstützung zugesagt.

"Die Deutschen mögen Sport, sie freuen sich über die Erfolge der Athleten, aber sie wertschätzen den Sport nicht", hat Lüneburgs Volleyballtrainer Stefan Hübner bei der Präsentation seiner Mannschaft gesagt und ein Beispiel genannt: "Fragt ein Arbeitgeber in den USA den Jobsuchenden: ,Was haben Sie denn in den vergangenen fünf Jahren gemacht?', und der Kandidat antwortet: ,Leistungssport!', glänzen die Augen des Chefs. In Deutschland wäre wohl betretenes Schweigen und ein verlegenes Stirnrunzeln die Reaktion." Leistungssport ist in Deutschland Karrierehindernis. Für die Athleten geht es nicht in erster Linie um mehr Geld, um höhere Prämien. Wichtiger noch ist ihnen die gesellschaftliche Anerkennung, nicht nur in Worten, besser noch in Taten. Es geht um soziale Absicherung, um die Chance, nach der sportlichen Laufbahn im Berufsleben durchstarten zu können. Mütter kennen diese Problemstellung.

Dass die Mittel für den Sport vorhanden wären, erleben Athleten oft bei Empfängen deutscher DAX-Unternehmen. Dort gibt es vom Feinsten zu essen und zu trinken, inklusive Zimmer im Fünfsternehotel. "Bei dieser Verschwendung könnte ich heulen. Das Geld wäre in der Sportförderung doch viel nachhaltiger und zielführender angelegt", hat kürzlich ein Olympiasieger dem Abendblatt gesagt. Es muss nicht immer Kaviar sein, eine Million mehr für die Deutsche Sporthilfe täte es auch.

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