Meinung
Glosse

Urlaub kann man kaum erwarten - ein Faktencheck

Einer der Vorzüge eines selbstbestimmten Camping-Urlaubes in Italien ist: Man kann seine Zeit einteilen, wie es einem passt. Wenn es bloß so wäre – ein (persönlicher) Faktencheck.

Erwartung: Hurra, wir können ausschlafen! Fakt: Um 6.30 Uhr kräht Kind 1 (Baby) wie ein Morgen-Hahn, Kind 2 (3) stimmt mit ein, um Kind 3 (11) mit einem Wrestling-Sprung aus dem Schlaf zu reißen. Um 7 Uhr klingt’s aus unserem Zelt, als würde sich ein Haufen Katzen balgen.

Erwartung: Tranquillo. Wir sind im Urlaub, einfach mal das wenige dreckige Geschirr vom Frühstück stehen lassen. Fakt: Lassen Sie es, wenn Sie nicht Wert auf die permanente Gesellschaft von Wespen und anderem Geschmeiß legen.

Halbstündiges Solo-Konzert in Wut und Schmoll

Erwartung: Supi, die Sonne brennt um 10 vom Himmel, ab ins Wasser! Fakt: Bis alles verstaut ist – das sperrige, aufblasbare Einhorn, der Schwimmring, die Schwimmflügel, das Boot, das Wurfzelt – vergehen locker 90 Minuten. Zwischendurch sucht Kind 2 feixend das Weite.

Erwartung: Shopping in der schönen Stadt Verona wird ein Hit! Fakt: Hitze, Menschenschwärme und trotzige Kleinkinder haben das Zeug zur Supernova. Niemand möchte ein halbstündiges Solo-Konzert in Wut und Schmoll mitten in der Einkaufszone erleben, nur weil man die Wasserflasche selbst (und nicht das Kind) geöffnet hat. Kommen die Handy-Voyeure dazu, sieht man vor dem geistigen Auge schon die spöttischen Videos auf YouTube: „Angry German Boy nukes Shopping-Zone@Verona:)“

Erwartung: Zurück nach Hamburg geht’s so schnell wie hin, in nur zwölf Stunden. Fakt: Klar geht das – sofern Sie einen Zauberteppich haben oder die während der Autofahrt in Endlosschleife aus dem CD-Spieler babbelnde Bibi Blocksberg sämtliche Baustellen auf der A 7 weghext.

Merke: Haben Sie an ihren Camping-Urlaub keine Erwartungen – aber erwarten Sie alles.