Meinung
Offen gesagt

Immer auf den Schlagzeuger – eine Ehrenrettung

Es ist eine fast schon langweilige Konstante in der Popbranche, Witze auf Kosten des Schlagzeugers zu machen. Er gilt als schlichtes Gemüt, das nicht mehr zu tun hat, als mit Stöcken auf trockene Fälle einzuhauen. Da ist einerseits durchaus etwas dran, andererseits hat er es immerhin nicht nötig, wie der Gitarrist permanent an der eigenen Penisverlängerung zu arbeiten.

Kein guter Übergang zu der sehr, sehr zarten Indiepop-Truppe Belle and Sebastian aus Glasgow, aber nützt ja nichts. Belle and Sebastian, die Lieblinge aller sensiblen Schöngeister, haben in einem Akt totaler Ignoranz ihren Schlagzeuger Richard Colburn nicht einfach nur unterwegs vergessen, als sie bei ihrer Nordamerikatour durch North Dakota reisten – sie haben sich sage und schreibe erst einen Tag später seiner überhaupt erinnert. Nach einem Stopp im Supermarkt stieg Bandleader Stuart Murdoch ohne seinen Drummer in den Tourbus. Dessen Pech war, dass er ohne Handy unterwegs war, sein geradezu riesengroßes Unglück, dass er beim Supermarktbesuch einen Schlafanzug trug.

Denn das ist das Detail, das in dieser niederträchtigen Branche am längsten überleben wird: Der Schlagzeuger, der im Pyjama einkaufen geht. Wir behaupten jetzt sowieso einfach mal: Wer solche Bandkollegen hat, der sollte lieber für immer in North Dakota bleiben.