Meinung
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Hat Frieda einen 7. Sinn (oder spinnt Herrchen)?

Unsere Hunde verstehen eine ganze Menge – oder warum der Labradoodle-Welpe Kinder und die Oma mag

Kürzlich hatte ich Sie ja hier mit dem Geständnis konfrontiert, dass ich immer mal mit Frieda Small Talk halte, und gefragt, wie sinnvoll das eigentlich ist. Erwachsene Menschen haben mir mittlerweile gebeichtet, dass sie ihre Haustiere nicht nur mit „Guten Morgen“ begrüßen, sondern auch mit „Wie geht’s?“. Antworten in Form von Worten haben sie noch nicht erhalten, allerdings sind einige sicher, dass sie eines Tages hören werden: „Danke, aber ich brauch erst mal was zu trinken.“

Dass Hunde letztlich doch mehr verstehen, als man denkt, und eine Art siebten Sinn haben, schrieben mir mehrere Leser. Darunter auch Christiane M., der es manchmal so vorkommt, als verfüge ihr Hund über telepathische Fähigkeiten. Ein anderer Leser berichtet, dass sein kleiner Sohn bei Ärger in der Schule oder anderem Stress immer vom Hund getröstet wird. Dieser Leonberger legt sich dann, anders als sonst, ganz ruhig ins Kinderzimmer, so, als wolle er vermitteln: „Ich bin bei dir, erzähl mir deinen Kummer.“ Das Verrückte dabei ist, dass der Hund die schlechte Stimmung des Kindes offenbar an der Körpersprache ablesen kann, weil er von dem eigentlichen Anlass nichts mitbekommen haben kann.

Frieda ist ja noch ein Welpe, der naturgemäß selbst viel Zuwendung braucht und die Welt gerade erst kennenlernt. Überragende Fähigkeiten will ich ihr da (noch) nicht zusprechen.

Obwohl …

Es gibt da eine Sache, die mich immer so sehr erstaunt, dass ich sie fast unheimlich finde. Wahr ist sie auf jeden Fall, deshalb erzähle ich Sie Ihnen hier heute mal. Unser Welpe mag es überhaupt nicht, unvermittelt hochgehoben zu werden, vor allem wenn er nicht sehen kann, wer da gerade zugreift. Das geht sehr vielen Tieren so, und Frieda kann dann sogar richtig knurrig werden.

Nun ist es schon einige Male passiert, dass die kleinen Kinder von Besuchern den Hund trotz gegenteiliger Bitten ziemlich ungeschickt packten, wenn gerade kein Erwachsener guckte. Ich will jetzt kein Drama daraus machen. Es ist ja quasi unvermeidlich, dass Kinder mit einem Hundebaby schmusen möchten, und wenn sie so ein Tier mal nicht nur virtuell erleben, ist das für viele von ihnen fast ein kleines Wunder.

Das Erstaunliche aber: Bei solchen lieb gemeinten Mini-Attacken bleibt Frieda immer ganz gelassen, so nach dem Motto: Die können das eben nicht besser. Noch eindrucksvoller ist, was wir bei unseren regelmäßigen Besuchen in der Wohnung einer 91-Jährigen erleben. Dieses Familienmitglied freut sich immer sehr über den vierbeinigen Gast, der stets etwas Licht in ihren von Demenz verdunkelten Alltag zu bringen scheint.

Schon mehrmals ist mir aufgefallen, dass Frieda sich am Anfang immer vor der alten Dame auf den Boden setzt, sie mit schräg gelegtem Kopf eine Weile beobachtet und bei den nicht immer ganz sinnvollen Reden auch zuzuhören scheint. Was sie dabei wahrnimmt, ist eine weißhaarige, schmächtige Dame mit freundlichem Gesicht, leiser Stimme und etwas fahrigen Bewegungen. Und nun wieder das Verblüffende: Obwohl Frieda von dieser Seniorin gelegentlich ganz ungeschickt gegriffen und mit einer wenig geglückten „Bell-Imitation“ beglückt wird, lässt der Hund sie ganz entspannt gewähren. Mehr noch: Anders als sonst hüpft Frieda vor der alten Dame herum und kläfft sie aufmunternd an. „Spiel ruhig mit mir“ könnte das nach unserem Eindruck bedeuten. Ich kann mir das nur so erklären, dass der Hund spürt, dass von der gutmütigen Greisin keine Gefahr ausgeht, genauso wenig wie von den kleinen Kindern.

Kann das sein, oder steigt mir der Alltag mit dem Welpen langsam zu Kopf? Neige ich dazu, in Friedas Verhalten Wunderdinge zu interpretieren, die möglicherweise ganz anderes bedeuten? Andere Hundebesitzer haben vermutlich schon Ähnliches erlebt, während hundelose Leser das Ganze möglicherweise für Tüdelkram halten. Dazu kann ich nur sagen, dass ich vor ein paar Monaten vieles auch noch nicht geglaubt hätte und mir noch nicht mal vorstellen konnte. Aber das Leben mit Hund bietet eben täglich neue Eindrücke – und auch viele Anlässe, nachdenklich zu werden.