Meinung
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China und der Hafen – passt das?

Das Angebot aus Fernost für ein Umschlagsterminal setzt Hamburg unter Druck

Chinesische Investoren wollen ein vollautomatisches Containerterminal im Hamburger Hafen errichten, und die angestammten Hafenbetriebe laufen dagegen Sturm. Sie befürchten, dass ihnen die Konkurrenz aus dem Reich der Mitte Umschlagsvolumen und damit Umsätze wegnimmt. Dabei hat die Kritik der Terminalbetreiber stichhaltige Argumente: Der große Ausbau der Häfen in Rotterdam und Antwerpen und der neue Tiefwasserhafen in Wilhelmshaven haben zu einem Überangebot an Terminalkapazitäten geführt. Gerade in Wilhelmshaven kann man sehen, welche Probleme eine permanente Unterauslastung nach sich ziehen.

Das hatte auch Wirtschaftssenator Frank Horch (parteilos) erkannt und dem Wirtschaftsausschuss der Bürgerschaft im Februar 2016 alles mögliche für die Flächen, die nun die Chinesen begehren, angekündigt – nur kein neues Containerterminal. Moderne Industrie hatte der Senator vor Augen, mit viel Wertschöpfung, wie der Bau von Elek­troautos oder ein Zentrum für 3-D-
Drucker. Auch die Herstellung von Großmaschinen, etwa für den Bergbau, hielt er für geeignet. Und was hat sich nun unter den Ideen durchgesetzt:
wieder nur ein Containerterminal.

Aber es gibt auch Gegenargumente. Gerade Hamburg hat in den letzten Monaten feststellen müssen, wie volatil das Ladungsvolumen für den Hafen ist und wie schnell traditionelle Handelsrouten gekippt werden. Wer gestern noch viele Container bewegte, muss heute Personal abbauen (Euro­gate). Da wäre ein fester Vertrag mit einem chinesischen Terminal, das dem Hafen unabhängig von äußeren Einflüssen ein festes Umschlagsaufkommen verspricht, vielleicht gar nicht falsch. Die Stadt hat für das Gesamtwohl des Hafens zu sorgen, nicht für einzelne Betriebe. Deshalb sollte über eine Vergabe der Flächen gründlich nachgedacht werden.

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