Meinung
Kommentar

Der G20-Gipfel in Hamburg: 19:1 gegen Trump

Politisch war der Gipfel erfolgreicher, als es die Bilder aus den Straßen Hamburgs vermuten lassen. Die Amerikaner haben ihre Meinungsführerschaft eingebüßt.

Was hat das G20-Treffen neben den hässlichen Bildern eigentlich gebracht? Nichts. Und viel. Der Widerspruch lässt sich auflösen, am besten entlang des großen Streitthemas Klimaschutz.

Es bleibt beim Pariser Klimaschutzvertrag und alles so, wie es vor Hamburg war. Die Bestätigung des Ist-Zustands wird gewöhnlich als Stillstand oder gar als Rückschritt empfunden. Ein Fortschritt ist es allerdings, dass sich der Rest der Welt nicht von seinem Kurs abbringen lässt, obwohl US-Präsident Donald Trump den Pariser Vertrag aufkündigen will. Es stand 19 zu 1.

Wie brüchig die Einigung ist, sieht man an der Türkei, die den Vertrag bislang nicht ratifiziert hat und im Nachhinein Vorbehalte anmeldet, gewissermaßen im Windschatten der Amerikaner.

Die USA sind nicht mehr so stark, dass sie dem Rest der Welt ihren Kurs aufzwingen können. Trump ist zwar angetreten, um Amerika wieder größer zu machen. Aber eingetreten ist etwas völlig anderes: Die Amerikaner haben die Meinungsführerschaft eingebüßt. Das ist Trumps Paradoxon. Man schaut jetzt zunehmend auf andere Mächte, wieder auf Russland und mehr denn je auf China, vielleicht sogar auf die EU und in Hamburg zweifellos auf Angela Merkel.

Der Kanzlerin gelang, was sie vermutlich die Verwürfelung des Balles nennen würde und faktisch nur politische Schadensbegrenzung ist. Das gilt auch beim Thema Welthandel. Da ist es zwar gelungen, die Amerikaner erst einmal von einem protektionistischen Alleingang in der Stahlbranche abzubringen. Aber wenn die nächsten Wochen nicht zur Schlichtung genutzt werden und wenn es bei den Überkapazitäten bleibt, dann haben wir spätestens 2018 einen Handelskrieg. Sehr lange werden sich die USA nicht mehr hinhalten lassen, und das kann man sogar verstehen.

Vor Hamburg war die Druckkulisse so groß, sodass die Gipfelstürmer das Gefühl hatten, sie könnten unmöglich unversöhnlich und ohne eine gemeinsame Erklärung auseinandergehen. Der zivile Protest war ein Treiber, die Chaoten waren es nicht. Diese Treffen haben inzwischen so eine Dimension angenommen, dass schon logistisch fast nur Me­tropolen als Austragungsorte infrage kommen. Solche Gipfel haben nach wie vor ihre Berechtigung. Sie dienen der Abstimmung und sind neben der Uno das einzige Forum, wo sich die Präsidenten der Supermächte regelmäßig treffen, was Trump und Putin in Hamburg auch genutzt haben.

Die G20-Treffen sind auch nicht so folgenlos, wie oft dargestellt wird. Wenn auch der Fortschritt eine Schnecke ist, so kommt man doch voran. Die Partnerschaft für Afrika etwa ist ein Schritt nach vorn, wiewohl bloß ein Trippelschritt. Auch der Hilfsfonds für Unternehmerinnen in den Entwicklungsländern ist keine schlechte Initiative.

Der Bedarf an Abstimmung und Koordination wird steigen; und Hamburg war auch nicht der letzte Versuch, den US-Präsidenten einzufangen. Trump ist ein Mann, der vor lauter Bäumen den Wald nicht sieht. Den müssen ihm seine Partner immer wieder aufzeigen, eine Frage der Weitsicht, der Beharrlichkeit, der strategischen Geduld.

Es gibt keinen Grund, auf G20 zu verzichten. Gleichwohl muss die Frage erlaubt sein, ob das Format noch zeitgemäß ist, ob man solche Treffen also nicht kleiner, bescheidener organisieren kann und womöglich im Ergebnis sogar produktiver. Geht es auch eine Nummer kleiner?