Meinung
Offen gesagt

Netz-Vorschlag: Das könnte Ihnen so gefallen

Für jeden Kulturkonsumenten, der sich auf seine Informiertheit und sein Urteilsvermögen etwas zugutehält, sind die Algorithmen eine Pest. Liebe Internetkaufhäuser und Streamingdienste: Wir wissen selbst am besten, was uns gefällt! Lasst sie stecken, eure „Das könnte Ihnen gefallen“-Aufdringlichkeiten, eure „Kunden, die dieses Album kauften, kauften auch jenes“-Einsortierungen und „Weil sie diesen Film gesehen haben ...“-Unverschämtheiten. Wir stöbern lieber, wir wählen selbst aus, wir treten unseren Geschmack nicht an die Maschine ab.

Dass Unternehmen wie Amazon und Netflix ganze Abteilungen beschäftigen, um den Vorlieben der Kunden auf die Schliche zu kommen, ist und bleibt: eine Beleidigung für den freien Willen. Neuerdings spitzen sie beim Streamingdienst die Ansprache an den Nutzer zu furchtbaren Sätzen zu, die das Thema des Films so genau wie möglich umreißen sollen. Eine inhaltliche Engführung nach dem Motto: Aus dem Genre „Filme mit dysfunktionalen Familien, in denen der Vater ein Kriegstrauma hat, die Tochter Crack nimmt und Mama sich erfolglos mit ihrem neuen Hobby Aquarellmalerei von der ganzen Tristesse abzulenken versucht“.

Wie gut, dass bei aller Ausrechenbarkeit so oder so immer ein Rest an Geschmacksanarchie bleibt.