Meinung
Gastbeitrag

Trumps Wähler sind die Verlierer der Industrie 4.0

Das Internet der Dinge nützt den Konzernen aus dem Silicon Valley. Der „Rostgürtel“ wird kaum profitieren.

VW hat vor einigen Wochen angekündigt, in den nächsten Jahren allein in Deutschland 23.000 Jobs streichen zu wollen. Der Vorstand will mehr Autos mit weniger Leuten bauen. Wie kann das funktionieren? Zwei Stichwörter können das erklären: Elektroautos und Industrie 4.0. Die Herstellung von Elektroautos ist weniger aufwendig, die Herausforderung liegt in der Bereitstellung leistungsfähiger Batteriezellen.

Und die Zukunft wird auch bei VW unter den Schlagworten Industrie 4.0 und Internet der Dinge stehen. Alle Dinge, Geräte, Produkte, Maschinen, sollen in einer Fabrik zu intelligenten Objekten werden. Sie sollen, wie die Informatiker sagen, eine digitale Repräsentation erhalten und so zu „Akteuren“ werden.

Über das Internet werden diese Dinge vernetzt, deshalb Internet der Dinge. Die bisher passiven Gegenstände werden „smart“: Sie sollen selbstständig über Sensoren und Aktoren ihr Umfeld erkunden und messen, Anfragen generieren, Informationen austauschen, Daten senden und empfangen. Die Rechner sind unsichtbar und allgegenwärtig, die Objekte reagieren autonom.

Alle Fabrikkomponenten und die zu produzierenden Dinge sind über eine eigene IP-Adresse vernetzt. Alle Gegenstände, Materialien, Maschinen der Fa­brikwelt werden „ansprechbar“, tauschen Informationen aus und bieten ihre Dienste anderen Objekten an. Das zu fertigende Produkt soll im Idealfall seine Herstellung selbst steuern und optimieren. So teilt es etwa mit, dass es nicht mehr als ein Kilo wiegen darf und einen blauen Anstrich benötigt; der integrierte Roboter, dass er in der nächsten Stunde ausgelastet ist, die Fräsmaschine, dass sie altersschwach ist, die Akkus ihren Ladezustand und alle Maschinen ihre Energieverbräuche.

Die Daten fließen zusammen, werden automatisch ausgewertet und zu neuen Steuerungsbefehlen verarbeitet. Die Potenziale des Internets der Dinge werden erst voll ausgeschöpft, wenn alle beteiligten Unternehmen die smarten Objekte ihrer möglicherweise globalen Lieferanten und Kunden einbinden. Da dann alle mit allen und alles mit allem verbunden sein wird, kann die Architektur eines weltweit verknüpften Wertschöpfungsnetzwerks entstehen.

Manche Praktiker, die noch die Versprechungen der „menschenleeren Fa­brik“ miterlebt haben, sehen diese Vision eher skeptisch. Das Problem liegt vor allem für mittelständische Unternehmen in der Absicherung von Kon­struktions- und Geschäftsgeheimnissen einerseits und der Notwendigkeit, in einer global verbundenen Wirtschaft unternehmensweite, „grenzenlose“ Cloud-Dienste nutzen zu müssen.

Trumps Versprechen wird kaum zu erfüllen sein

Durch die Vernetzung der Geschäftsmodelle können Daten, Ressourcen und Geschäftsstrategien für die Konkurrenz transparent werden. Damit setzt sich der deutsche Maschinenbau dem Zugriff weltweit agierender Monopole aus. Die geplanten Wertschöpfungsnetzwerke können auch ihre Geschäfte zerstören. Für den deutschen Maschinenbau besteht das Risiko, dass die globalen Monopole wie Google & Co. auf ihre Kosten wachsen können.

VW ist noch so stark, Wertschöpfungsnetzwerke zu etablieren, die sie absichern werden und dominieren können. Für intelligente Robotersysteme braucht man kaum noch Beschäftigte am Fließband, dafür aber gut ausgebildete junge Leute mit Informatikkenntnissen. VW will davon 1000 einstellen.

Und was hat das alles mit dem US-Präsidenten Donald Trump zu tun? Trump ist mit dem Versprechen angetreten, dafür zu sorgen, dass für weiße beschäftigungslose Arbeiter, vor allem im „Rostgürtel“, wieder Fabriken errichtet werden. Dieses Versprechen zur Re-Industrialisierung wird schwer genug zu erfüllen sein, für die schlecht ausgebildeten Trump-Wähler wird kaum Platz sein. Viel eher werden Amazon, Google, IBM und Microsoft mit Robotern und Künstlicher Intelligenz und gut ausgebildeten jungen Leuten die Standards setzen. Sie werden die Fabriken mit Industrie 4.0 „besetzen“ und den Rahm abschöpfen. Das wird Trumps frustrierte Wähler noch stärker frustrieren. Was folgt dann?