Meinung
Meinung

Geht rein und hört selbst!

6. Dezember: "Die Kinderkrankheiten der Elbphilharmonie"

Als einer von rund 1400 Zuschauern hatte ich das große Glück, beim ersten öffentlichen (Test-)Konzert im großen Saal der Elbphilharmonie am 25.11. dabei gewesen zu sein.

Der Hamburger Sängerin Miu und ihrer neunköpfigen Band gebührte die Ehre, als erste Künstlerin vor Publikum die Elbphi ihrer musikalischen Jungfräulichkeit zu berauben. Mit ihrem gefälligen und souverän vorgetragenen Mix aus Soul und Pop gelang ihr dies auch ziemlich gut. Doch eigentlich war nicht Miu mit ihrer Band der Star des Abends, sondern nicht mehr und nicht weniger der Große Saal der Elbphi selbst.

Überschlagen sich schon jetzt nationale und internationale Kritiker hinsichtlich der Architektur und Ästhetik dieses neuen Hamburger Wahrzeichens vor Begeisterung, frage ich mich, wie es werden soll, wenn sie das erste Symphoniekonzert erlebt, erfahren und genossen haben?

Nach gut 25 Jahren aktiver wie passiver beruflicher Beschäftigung mit Musik – meine private Beschäftigung mit dieser Kunstform währt ungleich länger – kann ich sagen, dass mir in meinem Leben noch keine Clubs, keine Hallen oder Arenen vor die Ohren gekommen sind, die in Sachen Akustik der Elbphilharmonie auch nur das Wasser reichen könnten. Wenn ein Bauwerk die Bezeichnung Musiktempel verdient, dann ist sie es, unzweifelhaft.

Was hier an klanglicher Transparenz durch den japanischen Starakustiker Yasuhisa Toyota geschaffen wurde, ist schier unglaublich – umwerfend, faszinierend, begeisternd! Selbst die unterschiedlichen Bassfrequenzen von Bassdrum und -gitarre waren deutlich voneinander zu unterscheiden! Aber all das sind nur Worte. Sie können niemals das ausdrücken, was einem sensiblen Ohr in diesem gehasstliebten Bauwerk widerfahren kann.

Darum: Geht rein und hört selbst!

Holger Hillers, per E-Mail

© Hamburger Abendblatt 2017 – Alle Rechte vorbehalten.