Meinung
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Zwischen Hamburg und Berlin

Ein E-Mail-Wechsel von Abendblatt und „Cicero“

Christoph Schwennicke (r.), Chefredakteur des in Berlin produzierten Magazins „Cicero“, und Lars Haider, Chefredakteur des Abendblatts, pflegen eine E-Mail-Freundschaft, die wir jeden Sonnabend an dieser Stelle veröffentlichen.

Haider: Lieber Christoph, erst dachte ich, wir müssten über Angela Merkel sprechen. Nun kommt der fröhliche Martin Schulz dazwischen. Oder hat das eine mit dem anderen zu tun?

Schwennicke: Insoweit, als ich fest damit rechne, dass sie sich als Kandidaten im Rennen ums Kanzleramt wiederfinden werden.

Haider: Du glaubst, dass Sigmar Gabriel freiwillig auf die Kanzlerkandidatur und damit eventuell auch auf den SPD-Vorsitz verzichtet?

Schwennicke: Erst mal nur auf die Kandidatur. Den Vorsitz wird er bis zum Wahltag behalten.

Haider: Was macht dich da so sicher? Wird Schulz zwischenzeitlich zum Außenminister?

Schwennicke: Ja, klar. Was sonst? Und ganz sicher bin ich natürlich nicht. Aber ziemlich.

Haider: Wäre es klug für die SPD, mit ihm ins Rennen zu gehen? Die AfD jubelt schon, weil Schulz ja seit Jahren zum Establishment in Europa – ausgerechnet in Europa – gehört.

Schwennicke: Die AfD wird jeden anpesten. Und dieser Establishment-Vorwurf ist deren Nazikeule, die sie gegen jeden auspacken würden. Schulz hat mehr Chancen als Gabriel. Was nicht viel heißt. Aber er kann Merkel besser an ihrer Achillesferse packen als derjenige, der vier Jahre brav neben ihr auf der Regierungsbank saß.

Haider: Schulz riskiert ganz schön viel. Wenn alles blöd läuft, ist er in einem Jahr Bundestagsabgeordneter.

Schwennicke: Ja. Und sonst ist er gleich nichts mehr.