Meinung
Kommentar

Kein Verständnis für Pilotenstreik bei Lufthansa

Geht es der Gewerkschaft VC um einen Machtkampf mit dem Lufthansa-Chef?

Wann immer Piloten streiken, können sie damit rechnen, bei der großen Mehrheit der Arbeitnehmer mit bodengebundenen Jobs auf Unverständnis zu stoßen. Diese Reaktion hat mindestens zwei Gründe. Das Cockpitpersonal verfügt naturgemäß über ein besonders hohes „Erpressungspotenzial“ – schon eine kleine Zahl von Streikenden kann einen großen Konzern weitgehend lahmlegen und zudem noch eine maximale Öffentlichkeitswirkung erzielen. Vor allem aber gilt dieser Beruf noch immer als glamourös und überaus lukrativ. Zweifellos hat es etwas für sich, in einer schicken Uniform zur Arbeit zu gehen, dabei jeden Tag die Sonne zu sehen und dafür noch ein Jahresgehalt von bis zu 250.000 Euro einzustreichen.

Allerdings hat sich in dieser Berufsgruppe längst eine Zweiklassengesellschaft herausgebildet: Hier die bei ­etablierten Fluggesellschaften wie der Lufthansa angestellten Piloten, von denen zumindest die älteren tatsächlich noch Arbeitsverträge mit sehr komfortablen Konditionen haben. Dort die Nachwuchskräfte bei Billigfliegern und jüngeren Airlines, bei denen man zwei Drittel weniger verdient und zum Teil anfangs sogar noch Geld mitbringen muss. Um sich der wachsenden Konkurrenz erwehren zu können, muss Lufthansa-Chef Carsten Spohr auch bei den Verträgen seiner Piloten sparen.

Es ist verständlich, dass deren Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) die Privilegien ihrer Mitglieder verteidigen will. Noch verständlicher wäre es, wenn es darum ginge, sicherheitsgefährdenden Arbeitsdruck abzuwenden. Lufthansa-Piloten allerdings jammern auf recht hohem Niveau. Zudem drängt sich der Verdacht auf, dass die VC die Streiks für einen Machtkampf mit Spohr nutzt. Und dafür können die Piloten nun wirklich kein Verständnis erwarten.