Meinung
Kommentar

Facebook und Co. Grenzen zeigen

Wenn wir die Privatsphäre retten wollen, muss die Politik jetzt eingreifen

Um mehr oder weniger öffentlich mehr oder weniger nackt dazustehen, muss man gar kein Exhibitionist sein. Es ist nicht nötig, bei Facebook regelmäßig Fotos seines Abendbrots oder Dackels oder seine Wut über Dietmar Beiersdorfer hochzuladen.

Die Digitalgiganten wissen selbst von den Netzmuffeln immer genauer, was sie gerne essen, unter welchem Verein sie leiden – oder unter welchen Krankheiten. Facebook etwa greift gerade alle Daten von Whats-App-Nutzern ab, Telefonnummern und Notizen.

Ganze Handy-Adressbücher will sich der Netzgigant einverleiben – und damit auch das Wissen, welche Ärzte jemand kontaktiert, in welchen Restaurants er bisweilen einen Tisch bucht oder wo die heimliche Geliebte wohnt.

Es geht allein in Deutschland um Hunderte Millionen Datensätze. Betroffen sind sogar Digital-Verweigerer, die Facebook und WhatsApp bewusst meiden. Steht ihre Nummer in einem der 35 Millionen deutschen WhatsApp-Telefonbücher, hat Facebook auch die.

All das betrifft also längst nicht mehr nur ein paar Nerds, denen Datenschutz womöglich eh wurscht ist. Whats­App hat bereits ein Beinahe-Monopol bei der Kommunikation erreicht. Familien, Firmen, Sportvereine und Schulklassen kommunizieren über den Dienst.

Allein die Dimension zeigt: Wir stehen an einer Grenze. Wenn wir die Privatsphäre durch das Jahrzehnt retten wollen, muss die Politik jetzt handeln. Eine denkbare Lösung: Wir bekommen die Möglichkeit, künftig mit Euro statt mit Daten für Dienste zu zahlen.

So oder so: Den Netzgiganten müssen Grenzen aufgezeigt werden. Hamburgs Datenschützer Caspar ist mit seinem aktuellen Vorgehen gegen Facebook auf dem richtigen Weg. Er darf dabei kein einsamer Streiter bleiben.

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