Meinung
Kolumne

Warum helfen deutsche Konzerne Donald Trump?

Irene Jung

Irene Jung

Foto: Andreas Laible / HA

BASF, Bayer, Siemens & Co. geben deutlich mehr Geld für den Wahlkampf der Republikaner als für Clintons Demokraten.

Zuerst wollte ich es gar nicht glauben: Deutsche Unternehmen wie BASF, Allianz, Bayer und Deutsche Bank unterstützen über ihre amerikanischen Töchter den Präsidentschaftswahlkampf von Donald Trump. Haben die noch alle beisammen? Warum soll ein Mann, der in Schießfantasien schwelgt, Außenpolitik am liebsten mit Panzern machen würde und – freundlich ausgedrückt – eine paranoide Haltung zu Minderheiten hat, ausgerechnet mit deutscher Hilfe ins wichtigste Amt der westlichen Welt geboxt werden? Da fragt man sich doch mit Mutter Kempowski (in „Tadellöser & Wolff“): „Wie isses nur bloß möglich?“

Ein Grund: das amerikanische Parteienfinanzierungssystem. Anders als bei uns bekommen die Parteien dort keine staatlichen Mittel und müssen ihre Wahlkämpfe allein aus Spenden finanzieren. Allerdings dürfen Unternehmen – in- wie ausländische – nicht mit Spenden Einfluss auf die Wahlkämpfe nehmen, nur Einzelpersonen mit US-Pass.

Der fröhliche Kapitalismus der USA hat aber Lobby-Instrumente erzeugt, die beides verbinden: Firmen gründen sogenannte Political Action Committees (PACs), die Spenden von amerikanischen Mitarbeitern sammeln und dann entscheiden, wie viel Geld an welche Partei fließt. Auch die US-Töchter deutscher Firmen unterhalten PACs. Man möchte sich ja bei den potenziellen Gewinnern empfehlen, vor allem wenn wie am 8. November neben dem US-Präsidenten auch 435 Vertreter des Repräsentantenhauses und 34 Senatoren neu gewählt werden.

Glücklicherweise müssen die PACs ihre Zuweisungen öffentlich machen. Demnach hat die BASF Corporation in New York mit 641.236 US-Dollar einen besonders großen Batzen ins Rennen geworfen, von denen 72,5 Prozent an die Republikaner flossen, nur 27,5 Prozent an die Demokraten. Der PAC der Bayer-Tochter sammelte stolze 454.000 US-Dollar ein, von denen die Demokraten 17,5 Prozent, die Republikaner dagegen 82 Prozent (375.000 US-Dollar) erhielten. Mit 86 Prozent bedachte Deutsche Bank Securities die Republikaner, die Demokraten mussten sich mit dem Rest (5200 Dollar) begnügen. Siemens Corp. überwies den Republikanern zwei Drittel des Mitarbeiterspendenfonds.

Es geht aber auch anders: Boehringer Ingelheims US-Tochter teilte die Spenden etwa fifty-fifty gerecht unter den Parteien auf, ebenso wie T-Mobile USA. Und SAP America bevorzugte mit einem Anteil von 61,5 Prozent (82.000 US-Dollar) sogar ganz klar die Demokraten.

Dass deutsche Firmen im US-Wahlkampf 2016 überraschend deutlich auf die Republikaner setzen, fällt auf: „Die Dominanz der Konservativen“ bei der Spendenvergabe sei „frappierend“, urteilt die „FAZ“. Eine Freundin, darüber ebenso verblüfft wie ich, schrieb ­E-Mails. Und bekam von Bayers deutschem Sprecher folgende Antwort: Der Bayer-PAC unterstütze nicht Trump oder Clinton, sondern „Kandidaten für parlamentarische Ämter, die sich intensiv mit Bayer-relevanten Themen befassen“, etwa Gesundheitspolitik oder Patentschutz. Die Spendenverteilung wolle man nicht kommentieren.

Ähnlich weicht die Deutsche Bank aus: „Mitarbeiter entscheiden individuell über ihre Spenden und werden nicht vom Unternehmen beeinflusst.“ Das klingt so naiv-unbeteiligt wie in „Good Bye, Lenin!“: „Also ich weiß auch nicht, was die Genossen da wieder ...“ Machen die Konzerntöchter also, was sie wollen? Nein: PACs werden nicht von schusseligen Subalternen gemanagt, unter den Kassenwarten sind Manager und leitende Angestellte.

Kürzlich haben 50 ranghohe US-Sicherheitsexperten öffentlich gewarnt, Trump sei ein „Sicherheitsrisiko“. Haben die Mutterkonzerne das nicht mitgekriegt? Wie reagieren die Aktionäre? Und was genau versprechen sich Bayer oder Siemens eigentlich von einer Ära Trump? Mehr Pillenumsatz mit geschockten Amerikanern? Schnellere Lokomotiven für flüchtende US-Muslime?

Liebe Firmen: Ihr könnt in den USA machen, was ihr wollt. Aber kommt mir bitte nie, nie wieder mit irgendwelchem Geschwafel von Unternehmens-Ethik.