Meinung
Kommentar

Wie schlägt die Handelskammer zurück?

Der Maulkorb für Hamburgs Wirtschaft wird Folgen haben – so oder so.

Mag sein, dass das Urteil erwartbar war, ein harter Schlag für die Handelskammer ist es dennoch. Dass sich eine der mächtigsten und wichtigsten Interessenvertretungen der Stadt künftig in ihren Meinungsäußerungen beschränken, dass der Präses bei seinen Reden vorsichtig sein muss – das ist nichts, was zum Selbstverständnis der Kammer oder dem der Hamburger Wirtschaft passt. Beide haben sich in den vergangenen Jahrzehnten, nein: Jahrhunderten, nicht vorschreiben lassen, was sie tun und für was sie streiten sollen. Im Gegenteil: Die Kaufleute haben die Entwicklung der Stadt immer getrieben, sie hatten zu vielen Themen eine Meinung. Was ganz selbstverständlich ist, weil erstens nahezu alles in irgendeiner Form eine wirtschaftliche Auswirkung hat (Olympia, Stromnetze). Und weil diese Stadt zweitens immer eine Stadt der Pfeffersäcke war. Die sich gern hanseatisch, aber ungern handzahm verhielten.

Nun wird man sich umgewöhnen müssen: Das beginnt bei der traditionsreichen Versammlung eines Ehrbaren Kaufmanns zum Jahresende, bei dem eine Rede im bisherigen, klassischen Sinne – Stichwort: Wirtschaft rechnet mit Politik ab – kaum noch möglich sein wird. Und das endet beim Auftreten und der Person des Präses, der im kommenden Jahr zur Wahl steht. Es wird spannend, was die Handelskammer aus dem aktuellen Gerichtsurteil macht, und es muss gar nicht bei der augenscheinlichen Niederlage bleiben. Denn der juristisch verhängte Maulkorb bietet auch eine Chance: Auf jeden Fall dürfte selten eine Versammlung des Ehrbaren Kaufmanns mit solcher Spannung erwartet worden sein wie jene in diesem Jahr.

Die Handelskammer wird sich dafür etwas einfallen lassen: Vielleicht erzählt der Präses in seiner Rede erst einmal, was er alles nicht sagen darf ...