Meinung
Leitartikel

Die digitale Chance für Hamburgs Verwaltung

| Lesedauer: 3 Minuten
Andreas Dey
Der Autor ist Abendblatt-Reporter des Ressorts Landespolitik

Der Autor ist Abendblatt-Reporter des Ressorts Landespolitik

Foto: Klaus Bodig / HA

Die Pläne für Hamburgs Verwaltung sind richtig. Bedenken aber ernst nehmen

Es ist nicht so, dass die Hamburger Verwaltung die Digitalisierung völlig verschlafen hätte, im Gegenteil. Etliche Vorgänge wie die Terminvergabe im Kundenzentrum (der Mangel an Terminen ist ein anderes Thema ...) oder die Ummeldung eines Autos können die Bürger bereits auf elektronischem Weg abwickeln, und es gibt sogar Statistiken, wonach die Hansestadt beim Einsatz von IT-Technologie bundesweit führend ist. Gut so, aber kein Grund, sich auszuruhen.

Dass der rot-grüne Senat das Thema nun massiv weiter vorantreiben und die Verwaltung Schritt für Schritt zu einem weitgehend digitalen Dienstleister umbauen will, ist nicht nur richtig – es wäre fahrlässig, das nicht zu tun. In Zeiten, in denen die Menschen ihre Bankgeschäfte online abwickeln, ihre Bahnfahrtkarte im Internet kaufen und dort auch ihre Urlaube buchen, wirkt der Zwang, die meisten Anliegen an Behörden persönlich „auf dem Amt“ vorzutragen, seltsam altertümlich.

Zu festen Öffnungszeiten an einem festen Ort sein zu müssen, um dort vielleicht nur auf einen Stempel zu warten, empfinden viele Menschen inzwischen als Zumutung – zumal solche, die es gewohnt sind, andere Anliegen ohne großen Aufwand mit ein paar Klicks von unterwegs oder vom Sofa aus zu erledigen. Und sie werden naturgemäß immer mehr.

Gleichwohl sollte der Senat nicht übersehen, dass ein immer noch erheblicher Teil der Bevölkerung mit der digitalen Welt fremdelt und möglicherweise heillos überfordert wäre, sich in ein Servicekonto einzuloggen und einen Ausweis online zu beantragen. Dass dieser zentrale Zugang konsequent aus Nutzersicht gestaltet werden soll, lässt zwar hoffen, aber angesichts der Gestaltung und Verständlichkeit von Behördenformularen sind vorerst Zweifel angebracht.

Daher muss gelten: Der persönliche Zugang zu den Ämtern und städtischen Einrichtungen muss weiterhin möglich sein. Nicht umsonst halten auch Banken, die Bahn oder Reisebüros trotz ihres breiten Online-Angebots weiterhin Filialen vor. Denn zum einen sind einige Geschäfte dann doch zu kompliziert oder heikel, um sie mal eben am Computer erledigen zu können – da braucht es mitunter einfach die Hilfe eines sachkundigen Menschen. Und zum anderen ist die Technik nicht unfehlbar. Selbst „Digital Natives“, die mit WLAN statt Muttermilch großgezogen wurden, kennen die Hilflosigkeit, wenn Smartphone oder Tablet mal streiken oder eine Anwendung nicht das macht, was sie machen soll. Wer hilft dann am Ende? Ein anderer Mensch.

Dass der Staat diese Möglichkeit jederzeit einräumt, sollte selbstverständlich sein – schließlich hat er ein „Monopol“ auf seine Dienstleistungen und verlangt oft von uns, dass wir sie in Anspruch nehmen (Stichwort Steuererklärung). Folglich ist er auch zur Hilfestellung verpflichtet. Ohnehin gilt im privaten wie im behördlichen Umfeld: Je besser, bequemer und sicherer das digitale Angebot, desto weniger werden die Menschen den persönlichen Kontakt suchen.

Vorerst tut der Senat daher gut daran, erst mal ein stimmiges digitales Angebot zu machen und abzuwarten, wie die Bürger es annehmen. Im Erfolgsfall kann man dann immer noch prüfen, ob die Technik Personal entbehrlich gemacht hat. Ein Automatismus ist das jedenfalls nicht. Sicher ist hingegen: Ein Senat, der die Möglichkeiten der Digitalisierung für die städtische Verwaltung gar nicht sucht, vergibt eine große Chance.

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