Meinung
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Raus aus der Kohle – des Klimas wegen

Veraltete Kraftwerke schaden der Energiewende, sie sind zu unflexibel in Kombination mit erneuerbaren Energien

Auch wenn sich der Zug erst langsam bewegt: Der Klimagipfel von Paris im Dezember 2015 ist der Startschuss für eine bessere Klimazukunft. Erstmals haben dank des Pariser „Bottom up“-Prozesses („von unten nach oben“) auch die USA und China konkrete Vorschläge für mehr Klimaschutz unterbreitet. Das Paris-Abkommen ist der Start vom Ausstieg aus der fossilen Energie.

Die deutsche Energiewende ist trotz allen Hindernissen dennoch ein wichtiges Vorbild. Dank der Investitionen aus Deutschland, der steigenden Nachfrage und der damit verbundenen Skaleneffekte sind die Kosten erneuerbarer Energien weltweit massiv gesunken. Zum ersten Mal fließen global mehr Investitionen in erneuerbare als in fossile Energien. Klimaschutz schafft wirtschaftliche Chancen. In Paris wurde demnach der ultimative Startschuss im Wettrennen um eine bessere Klima­zukunft abgefeuert.

Doch der Energiewende-Zug in Deutschland wird gebremst. Der geplante Klimaschutzplan, welcher eine Dekarbonisierung der deutschen Volkswirtschaft, das heißt eine Senkung der Treibhausgasemissionen um 80 bis 95 Prozent bis zur Mitte des Jahrhunderts zum Ziel hat, droht immer mehr verwässert zu werden. Um die Klimaziele zu erreichen, muss der Stromsektor – neben anderen Sektoren wie die Indus­trie, der Verkehr, der Handel oder die privaten Haushalte – einen relevanten Beitrag leisten. Derzeit entstehen etwa 85 Prozent der strombedingten Emissionen in Braun- und Steinkohlekraftwerken.

Wir haben derzeit einen massiven Strom-Angebotsüberschuss, wir schwimmen im Strom und verramschen ihn an der Börse. Überflüssige Kohlekraftwerke benötigen überflüssige Stromleitungen, lassen den Strommarkt zusammenbrechen und gefährden die Klimaziele.

Nur wenn es gelingt, den Überschuss von Kohlekraftwerken abzubauen, wird der Strompreis an der Börse wieder steigen, die EEG-Umlage sinken.

Ohne Kohleausstieg werden wir weder die Klimaziele, die wir in Paris vereinbart haben, noch die Ziele der Energiewende erreichen. Daher ist der jüngst von den Grünen vorgelegte Kohle-Ausstiegsfahrplan sinnvoll und überfällig.

Kohlekraftwerke passen nicht in eine nachhaltige Energiewende, sie sind klimaschädlich, zudem zu inflexibel in der Kombination mit erneuerbaren Energien. Der hohe Kohleanteil an der Stromversorgung gefährdet die Glaubwürdigkeit der deutschen Energiewende im Ausland, macht die Energiewende zudem übermäßig teuer, da Strom­leitungen vorgehalten werden müssen und außerdem teure Abwrackprämien für Kohlekraftwerke gezahlt werden müssen. Daher ist es sinnvoll, einen Ausstiegsfahrplan zu vereinbaren, eine Kommission zu bilden und einen transparenten Prozess zu begleiten.

Die wirtschaftlichen Chancen der Energiewende sind groß, sie werden jedoch behindert durch das zu lange Festhalten und einer Konservierung der Vergangenheit. Jetzt sollten auch alle Gewerkschaften mitziehen und erkennen, dass nicht das krampfhafte Festhalten an der Vergangenheit, sondern eine kluge Energiewende dauerhafte und vor allem zukunftssichere Beschäftigung hervorbringt. Die Gewerkschaften sollten die Chancen erkennen, die sich auftun, wenn die Bundesregierung mit ihnen und der Wirtschaft den Ausstieg erarbeitet. Sie sollten den Strukturwandel begleiten. Wir hatten 600.000 Arbeitsplätze in der Kohle, heute sind es noch 50.000. Im Sektor der erneuerbaren Energie sind es schon 400.000 Jobs. Man sollte neue Arbeitsplätze in der Energiewendewelt entstehen lassen. Je länger sie an den alten Strukturen festhalten, desto teurer und schwieriger wird der Prozess. Sie gefährden mit dem Festhalten an der Vergangenheit die Zukunft, sie gefährden zukunftsweisende Arbeitsplätze.

Daher ist es sinnvoll, den Strukturwandel zu begleiten und so die Chancen für zukunftsfähige Arbeitsplätze zu sichern. Klimaschutz und eine kluge Umsetzung der Energiewende eröffnen enorme wirtschaftliche Chancen, wir sollten sie ergreifen und wieder deutlich mehr Fahrt in die andere Klimazukunft aufnehmen.