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Naturschutz wirkt und zahlt sich aus

Säugetieratlas zeigt Artenvielfalt in der Stadt. Sie sollte weiter gefördert werden

54 Säugetierarten leben in Hamburg, vom Rothirsch bis zur Zwergmaus. Das zeigt, dass viele Tiere noch naturnahe Nischen in der Stadt finden – speziell in ihren grünen Randbereichen – oder sich als sogenannte Kulturfolger an die städtische Umgebung haben anpassen können. Die Umweltbehörde belegt mit ihrer Säugetier-Inventur, dass es dem, was da kreucht und fleucht, recht gut geht. Das ist ein starkes Zeichen für den Naturschutz. Er zahlt sich aus!

Industrie und Gewerbe, Wohnungsbau, Straßen und Schienen, Landwirtschaft, Freizeit und Erholung: In einem Stadtstaat ist die Flächenkonkurrenz besonders groß. Da wird schnell mal die Nase gerümpft, wenn Naturschützer bei der Planung von fraglos sinnvollen Projekten lautstark Ausgleich fordern. Nicht jede Freifläche ist unantastbar, aber mancherorts verschwinden Lebensräume, die auf den ersten Blick wertlos für die Natur erscheinen, für sie aber bedeutsam sind. Brachflächen im Hafen gehören dazu. Sie sind nährstoffarm und bieten Spezialisten ein Refugium, als grüne Trittsteine in einer ansonsten naturfremden Umgebung. Auch Wiesen, die extensiv bewirtschaftet werden, schaffen gute Lebensbedingungen, die die Intensivflächen zur Massenproduktion von Grassilage längst nicht mehr bieten können. Deshalb ist es gut, dass die Stadt mit den geplanten Naturschutzgebieten Neuländer Moorwiesen und Allermöher Wiesen diesen Lebensraum stärker fördern will.

Wildtiere brauchen nicht nur Refugien. Sie wollen auch wandern, sich verbreiten und an anderer Stelle neue Lebensräume für sich erschließen können. Deshalb gilt es, auch jenseits von Schutzgebieten grüne Lebensadern zu erhalten oder neu zu schaffen. Der Säugetieratlas der Umweltbehörde kann helfen, dies noch gezielter zu tun.