Meinung
Leitartikel

Wie sollen wir über Terror berichten?

Die Auswertung der Leserzuschriften ergibt ein relativ klares Bild

Nach den aufeinanderfolgenden Anschlägen in Nizza, Würzburg, München und Ansbach wollte das Hamburger Abendblatt von seinen Leserinnen und Lesern wissen, wie sie die Berichterstattung über Terror finden und was sie von ihrer Zeitung erwarten. Hunderte Mails und Briefe trafen dazu in der Redaktion ein, eine Auswahl ist bereits auf mehreren Zeitungsseiten veröffentlicht worden. Jetzt haben wir die Lesermeinungen ausgewertet, die ein relativ einheitliches Bild ergeben.

Das sind die wichtigsten Ergebnisse auf einen Blick (Mehrfachnennungen möglich, deshalb ergeben die Prozentangaben mehr als 100):

1. 35 Prozent derjenigen, die sich an der Aktion „Wie sollen wir über Terror berichten?“ beteiligt haben, empfinden die bisherige Berichterstattung im Hamburger Abendblatt als angemessen. Gelobt wird neben dem Umfang vor allem die Ausgewogenheit. Als hilfreich werden Einordnungen von Experten empfunden, zum Beispiel der Gastbeitrag von Kinder- und Jugendpsychiater Michael Schulte-Markwort, der die Debatte über den medialen Umgang mit Terror mit in Gang gebracht hatte.

2. Weitere 35 Prozent möchten, dass die Berichterstattung künftig weniger umfangreich und detailliert sein soll. Das betrifft vor allem die Größe der Bilder auf der Seite eins – da haben wir es mit der blatthohen Optik zu München auch tatsächlich übertrieben. Opfer sollten nicht im Foto gezeigt werden, was das Hamburger Abendblatt grundsätzlich nicht macht, auch nicht bei „normalen“ Straftaten. Die Informationen über den Täter sollten so gehalten werden, dass man versteht, warum er das gemacht hat, was er gemacht hat.

3. 25 Prozent der Leserbriefschreiber ist wichtig, dass der Duktus der Artikel sachlich ist. Begriffe wie Krieg, Kampf, Gotteskrieger sollten genauso wie „reißerische Formulierungen“ vermieden werden – darauf wird die Redaktion des Hamburger Abendblatts künftig noch stärker achten als bisher.

4. Für noch einmal 25 Prozent ist der „Verzicht auf Spekulationen“ entscheidend. Das versteht sich eigentlich von selbst, ist in unruhigen, schnellen Zeiten mit sich überlagernden Nachrichtenlagen aber leider keine Selbstverständlichkeit mehr, wie insbesondere die Berichterstattung im Fernsehen und in den Onlinemedien in den vergangenen Wochen gezeigt hat. Die Forderungen der Leser sind eindeutig und richtig: Nur gesicherte Tatsachen berichten, gut recherchieren: „Gründlichkeit vor Schnelligkeit.“ Keine Augenzeugen zu Wort kommen lassen, „die eigentlich nichts gesehen haben“.

Die große Mehrheit der Teilnehmer an unserer Befragung fand es „sehr positiv“, dass das Hamburger Abendblatt sie in so wichtigen Fragen wie die Berichterstattung über Terror einbezieht. Das freut uns, und es wird sicher nicht das letzte Mal gewesen sein.

Fazit: Wir werden, wie es Leser Detlef Heinze schreibt, „zeitnah, offen, ehrlich und informativ über die Terroranschläge berichten, sodass sich ein mündiger Bürger eine Vorstellung von den Anschlägen und den Motivationen sowie den Menschen (den Terroristen) machen kann“. Das Ganze „ohne sensationsheischende Stilmittel“ (Uwe-Carsten Edeler) und ohne „unnötig ausgewalzt zu werden“ (Michael Groth).

Und wir haben auch registriert, dass wir mit der bisherigen Menge der Berichte gar nicht so falsch lagen. Oder, wie es Gabriela Brinkmann schreibt: „Ich bin eine treue Leserin des Abendblatts, weil die Berichterstattung im genau richtigen Umfang erfolgt.“