Meinung
Kommentar

Gegen Einbrecher sind alle gefordert

Vorwürfe, die Hamburger Justiz urteile zu lasch, sind unberechtigt

Als wäre der Verlust von Hab und Gut nicht schon schlimm genug: Wer in Häuser oder Wohnungen einbricht, zerstört mehr als Türen, Fenster oder Gegenstände, und er nimmt den Bewohnern viel mehr als ihre Wertsachen. Tatsächlich ist ein Wohnungseinbruch für die Opfer ein massiver, nicht selten traumatischer Eingriff in ihr Leben. Der Umstand, dass ein Fremder in ihren persönlichsten Sachen gewühlt hat, bedeutet für manche sogar, dass sie nie wieder in der Lage sind, sich in ihrem Zuhause sicher zu fühlen.

Die Täter kümmert das wenig. Die Zahl der Einbrüche steigt in Hamburg wie im gesamten Bundesgebiet stetig an. Und die Aufklärungsquote dümpelt in der Hansestadt bei Werten deutlich unter zehn Prozent. Da ist es verständlich, dass das Sicherheitsgefühl der Bürger schlecht ist. Und es ist nachvollziehbar, dass konsequentes Vorgehen gegen die Täter gefordert wird.

Wer nun aber meint, Hamburger Richter würden zu nachsichtig mit Einbrechern umgehen, weil angeblich keiner tatsächlich hinter Gittern landet, erliegt einem Irrtum. Mal abgesehen davon, dass die meisten Verdächtigen vor dem Prozess schon monatelang in Untersuchungshaft gesessen haben, verhängen die Richter sehr wohl und aus voller Überzeugung auch Strafen, bei denen es keine Bewährung gibt.

Pauschal Gefängnisstrafen zu verlangen, kann aber nicht der richtige Weg sein. Es kommt, wie stets im Strafrecht, auf den Einzelfall an. Und da ist unter anderem ein genauer Überblick über das Vorleben eines Angeklagten entscheidend, um ein tragfähiges Persönlichkeitsbild für eine Prognose-Entscheidung treffen zu können.

Hier könnten vor allem Polizei und Staatsanwaltschaft dazu beitragen, frühzeitig detaillierte Ermittlungen durchzuführen — zum Beispiel zu der Frage, ob ein „reisender Täter“ schon in anderen Ländern Straftaten begangen hat. Dies kann für die Frage „Bewährung oder nicht“ von entscheidender Bedeutung sein.

Letztlich sind alle gefordert: Polizei und Justiz, damit unsere Stadt sicherer wird. Und vor allem auch die Politiker, indem sie genug Geld für ausreichend Personal und Technik bereitstellt. Sicherheit ist teuer. Aber sie sollte es uns wert sein.