Meinung
Offen gesagt

Kürzung bei Europäischem Orchester ist gefährlich

Der Autor ist Kultur-Redakteur beim Abendblatt

Der Autor ist Kultur-Redakteur beim Abendblatt

Eine Protestnote

Es gab schon einige durchaus dumme Entscheidungen, die von der EU-Bürokratie gefällt wurden, weil sie es konnte und weil man sie gewähren ließ. Doch die haarsträubende Idee, ausgerechnet in Zeiten wie diesen das EU Youth Orchestra (EUYO) nach 40 Jahren erfolgreichen Bestehens zum 1. September totzukürzen, weil Förder-Spielregeln an der Wirklichkeit vorbei geändert wurden, ist mehr als nur einfach dumm. Sie ist gefährlich. Denn wer an derart völkerverbindenden Maßnahmen spart, spielt jenen kulturfernen Gesinnungs-Gartenzwergen in die Hände, die momentan europaweit bei Wahlen abräumen.

Deswegen geschieht es Brüssel ganz recht, dass neulich unter anderem die Berliner Philharmoniker und jetzt ein weiteres Mal ihr Chefdirigent Sir Simon Rattle mit einer erstklassischen Aktion Protest anmeldeten: Bei einer Aufführung von Beethovens Neunter mit dem BR-Symphonieorchester in München brach Rattle im Schlusssatz die ach so schöne Musik ab. Mittendrin. Freunde nicht diese. Alle Menschen werden Brü. Seid umschlu. Schluss, aus. Pech gehabt. Feierabend. So schrecklich dieser Schritt für Beethoven sei, so schrecklich sei es für das EUYO, sagte Rattle. „Es braucht Jahre, um solche Orchester aufzubauen – aber nur eine ignorante Unterschrift, um ihre Existenz zu beenden.“

Und falls den verbohrten Antragsverwaltern und Aktenschubsern der EU diese Melodie bekannt vorkommt: Sie ist die Basis der Europahymne.