Meinung
Sie haben Post

E-Mails zwischen Hamburg und Berlin

Der Autor ist Chefredakteur des Hamburger Abendblatts

Der Autor ist Chefredakteur des Hamburger Abendblatts

Foto: Andreas Laible / HA

Ein E-Mail-Wechsel von Abendblatt und "Cicero"

Christoph Schwennicke, Chefredakteur des in Berlin produzierten Magazins „Cicero“, und Lars Haider, Chefredakteur des Abendblatts, pflegen eine E-Mail-Freundschaft, die wir jeden Sonnabend hier veröffentlichen.

Haider: Lieber Christoph, ihr zeigt auf dem neuen Cover die „Titanic“ … Und ich dachte, wir schaffen das!!!

Schwennicke: Na ja, wir zeigen Angela Merkel und Sigmar Gabriel in der berühmten Szene von Leonardo DiCaprio und Kate Winslet vorne auf dem Geländer des Bugs, Angela hält die Arme ausgebreitet, Sigmar greift ihr um die Hüfte, darunter die Zeile „Voll auf Kurs“. Denn wir haben den Eindruck, dass sie den Eisberg nicht so recht sehen wollen, der sie da am 13. März gerammt hat und der weiter den Rumpf der Großen Koalition aufreißt ...

Haider: Aber Merkels Beliebtheitswerte gehen mit den sinkenden Flüchtlingszahlen doch schon wieder nach oben (die von CDU und SPD nicht). Gut möglich, dass sie das Steuer noch rumreißt. Oder schließt du das aus?

Schwennicke: Man sollte nie was ausschließen. Ich habe nur gesehen, dass die SPD heute bei 20 Prozent in der Sonntagsfrage steht und die CDU bei 32. Direktwahlen gibt es meines Wissens nicht in Deutschland.

Haider: Ich glaube ja, dass bei der nächsten Bundestagswahl die Ära von Schwarz-Grün beginnen könnte ... Was anderes: Alles sieht danach aus, dass Joachim Gauck nicht noch fünf Jahre als Bundespräsident dranhängt – oder?

Schwennicke: Was sind deine Indizien?

Haider: Es gibt zwei. Erstens, dass er auf seiner China-Reise gesagt hat, dass er als Privatperson wiederkommen will. Zweitens, dass sich die Flüchtlingskrise langsam zu entspannen scheint, deren Entwicklung Gauck ja abwarten wollte. Nehmen wir mal an, er hört auf, wer soll es dann machen??

Schwennicke: Dann läuft es in meinen Augen auf Steinmeier hinaus.

Haider: Sag mir, warum? Warum ein SPD-Mann, warum ausgerechnet der beste Politiker im Kabinett?

Schwennicke: Weil er aus persönlichen Gründen offenbar nicht mehr als Kanzlerkandidat antreten würde, selbst wenn ihm Gabriel den Weg dafür bahnte. Weil er vom Naturell her präsidial ist, klug und besonnen, weil er als erster Diplomat des Landes schon ein halber Bundespräsident ist (jedenfalls nach außen) und weil Merkel seine Kandidatur unterstützen würde und so die Mehrheit in der Bundesversammlung gesichert wäre.