Meinung
Offen gesagt

Sven Regener und die Gerstensaft-Poetologie

Die Nachricht aus Kassel stimmte uns fröhlich, ja, sie beschwipste uns fast. Ausgerechnet in Kassel, der Documenta-Stadt, diesem mythischen Ort des Kulturellen, wird Sven Regener jetzt Gastprofessor. Um genau zu sein: Grimm-Gastprofessor.

In Kassel wird, so stellen wir es uns vor, der große Sven Regener, der der deutschen Literatur den berühmten Herrn Lehmann schenkte, keine Märchen erzählen. Er wird in seiner Vorlesung zum Thema „Zwischen Depression und Witzelsucht: Humor in der Literatur“ darüber räsonieren, dass der Schriftsteller beim Verfertigen seiner Prosa eben nicht von hochfahrenden Ideen geleitet wird. Dass er nicht von der Literaturgeschichte inspiriert wird, wenn er über absurde Situationen schreibt, über Menschen und wie sie reden.

Sondern dass er einfach den Leuten aufs Maul geschaut hat, vielleicht am Ende sogar besonders sich selbst. Ernste Dichter halten Vorlesungen, von denen es hernach ein Buch bei Suhrkamp gibt mit dem Titel: „Wenn der Weltgeist in die Literatur fährt – eine Poetologie der Erfindung“. Oder so ähnlich. Von Regener erwarten wir derlei nicht. Regener wird seinen Ausflug in die akademische Welt maximal in seinen nächsten Roman einbauen. Vielleicht wird er auch einen Song mit Element of Crime singen, der von Studentinnen in der ersten Reihe handelt. Und er wird ein Beck’s auf die Kanzel stellen, während er doziert. Geistige Getränke machen den Unterschied.