Meinung
Leitartikel

Kammerspielchen können Hamburg schaden

Der andauernde Streit in der Hamburger Wirtschaftsvertretung bringt ihren guten Ruf in Gefahr

Wer einen Beweis dafür braucht, wie einflussreich die Handelskammer in Hamburg ist, muss nur an die Spitze der Wirtschaftsbehörde schauen. Dort sitzt, inzwischen im sechsten Jahr, mit Frank Horch der ehemalige Kammer-Präses, auf besonderen Wunsch des Bürgermeisters. Es sind solche und viele andere Geschichten, die die Industrie- und Handelskammern der Republik neidisch und voller Hochachtung vor den Kollegen im Norden sprechen lassen. Die Handelskammer Hamburg ist mit hoher Wahrscheinlichkeit die mächtigste ihrer Art in Deutschland.

Die Stärke beruht auch auf der Tradition und dem Stolz der Kaufmannsstadt, die unter anderem an der direkten Nachbarschaft von Rathaus und Kammergebäude ihren Ausdruck findet. Die beiden Häuser symbolisieren das Selbstverständnis der Kammer, die als Vertreterin der Wirtschaft in Entscheidungen eingebunden werden will und wird. Nicht umsonst gilt vielen ihr Präses als eine Art Schatten-Bürgermeister, der als Einziger hochoffiziell und öffentlich einmal im Jahr dem Regierungschef die Leviten lesen darf.

Das alles hat sich die Kammer in den vergangenen Jahrhunderten hart erkämpft, mehr noch: In den vergangenen Jahren hat sie ihre Stellung als politischer Akteur ausgebaut, wurde zum Treiber, etwa, als es um die Bewerbung für Olympische Spiele ging. Dabei konnte sie auf eine beeindruckende Geschlossenheit ihrer (Zwangs-)Mitglieder setzen. Während im Rathaus die politischen Konstellationen wechselten, blieben in der Nachbarschaft die Akteure und ihre Linie hanseatisch und konstant – ein großer Vorteil für die Wirtschaft, den diese zu nutzen wusste. Bis hin zur Ernennung ihres Präses zum Wirtschaftssenator. Was man sich ungefähr so vorstellen muss, als würde Hamburgs größter Steuerzahler plötzlich Finanzsenator …

Mag sein, dass es in dieser Zeit intern manche Diskussionen, vielleicht sogar Streitereien über Strategie und Rolle gegeben hat. Nach außen ist selten etwas gedrungen, dort war Hauptgeschäftsführer Hans-Jörg Schmidt-Trenz die personalisierte Verlässlichkeit und zusammen mit dem jeweiligen Präses ein nicht zu übersehender Machtfaktor. Ob das so bleibt?

Die Handelskammer ist dabei, ihre Position in der Stadt und vor allem gegenüber der Politik zu schwächen. Kaum ein Monat vergeht, in dem nicht Kritik an der Organisation aus der Organisation an die Öffentlichkeit getragen wird. Meist von den sogenannten Kammer-Rebellen, einer kleinen Gruppe, die sich vorgenommen hat, die Handelskammer transparenter zu machen, koste es, was es wolle. Notfalls eben auch Macht und Einfluss.

Natürlich ist es jedermanns gutes Recht, insbesondere jenes der Mitglieder, Strukturen, Personalien und Gehälter der Kammer infrage zu stellen. Und natürlich muss die sich gefallen lassen, vor Gericht zu erscheinen, wenn sie mit Geldern nicht so umgegangen ist, wie das der Zweck ihrer Arbeit verlangt. Aber genauso natürlich muss man festhalten, dass die Art des Streits die Kammer schwächt, und das gegebenenfalls in einer Weise, die nicht im Interesse der Wirtschaft sein kann.

Schon jetzt wird in Teilen der Politik die beginnende Selbstkasteiung mit Schadenfreude aufgenommen. Schon jetzt macht man sich hier und da über ein Gremium lustig, das früher nahezu erhaben über allen politischen Akteuren stand. Ob das im Sinne der Wirtschaft ist? Ob es Hamburg hilft, wenn sich die Kammer nicht einmal mehr zu wichtigen Themen äußern, geschweige denn mitmischen darf? Es gibt viele Fragen, die schnell beantwortet werden sollten. Die danach, was der Hauptgeschäftsführer verdient, war dagegen nur eine Marginalie.