Meinung
Kommentar

Die Forderung nach Dopingfreigabe ist absurd

Der Leichtathlet Nils Schumann gewann 2000 in Sydney Gold über 800 Meter mit der Startnummer 1887, was ihn für jeden HSV-Anhänger irgendwie sympathisch machte. Diese Sympathien hat sich der letzte deutsche Lauf-Olympiasieger nun allerdings verscherzt, und zwar mit seiner Forderung nach einer Freigabe aller Dopingmittel. Seine Begründung: Wenn etwas nicht kontrollierbar ist, soll es auch nicht kriminalisiert werden. Außerdem sei Doping angesichts von zwei Millionen Menschen, die allein in deutschen Fitnessstudios zu verbotenen Substanzen greifen, ein Massenphänomen.

Das mag sein, lieber Herr Schumann. Und Sie sind auch nicht der Erste, der eine solch drastische Maßnahme fordert. Dennoch bleibt es ausgemachter Unsinn, vor allem mit dem Hinweis auf fehlende Kontrollmöglichkeiten. Wir können doch auch Steuerbetrug nicht legalisieren oder den Verkauf harter Drogen, nur weil nicht jeder Verbrecher unter Kontrolle gehalten werden kann.

Nein, der Kampf gegen Betrug im Sport, und nichts anderes ist der Missbrauch von verbotenen Medikamenten, muss weiterhin mit aller Härte geführt werden, am besten mit lebenslanger Sperre für Dopingsünder. Wenn zwei Millionen Deutsche glauben, sich mit Chemie kaputt machen zu müssen, ist das deren Problem. Aber gerade dann braucht es Leistungssport, der alles tut, um als Vorbild voranzugehen und zu zeigen, dass Höchstleistung auch sauber möglich ist. Man mag das für naiv oder idealistisch halten. Aber wer den Kampf gegen Doping aufgibt, der kann niemals ein Gewinner werden.