Meinung
Kommentar

Radweg-Ärgernis wird zur Posse

Im Radverkehrsstreit an der Alster haben Behörden versagt

Alles war gut am Harvestehuder Weg: Spaziergänger flanierten auf dem Weg direkt an der Außenalster entlang. Die Fahrradfahrer hatten ihren eigenen Radweg, der in sicherem Abstand von der Straße durch die Grünanlage führte, was besonders die Schüler des Wilhelm Gymnasiums auf ihrem Schulweg schätzten. Und die Autofahrer nutzten die Fahrbahn, ohne den Radlern in die Quere zu kommen. Besonders schnell fuhren sie selten, dafür sorgten schon die zahlreichen Stadtrundfahrtbusse, die im Schritttempo an der Außenalster vorbeituckern.

Dann kam die Politik und stiftete erst Verwirrung – und dann Ärger. Nördlich des Fährdamms wurde der Harvestehuder Weg zur Fahrradstraße, aufwendig baute man Parkbuchten zurück. Die Radfahrer sollten nun nicht mehr den sicheren Radweg benutzen, sondern stattdessen auf der Straße parkende Autos umkurven und fahrenden Wagen sowie eben den Stadtrundfahrtbussen ausweichen. Wohl selten hat eine Behördenmaßnahme weniger Sinn ergeben, wie nicht nur aufgebrachte Anwohner einwandten, sondern auch die Verwaltung bald hinter vorgehaltener Hand zugab. Grober Quatsch also.

Aber wieso? Der Grund ist nicht in der Verkehrssituation am Harvestehuder Weg zu suchen, sondern wenige Kilometer entfernt im Rathaus. Die damals allein regierenden Sozialdemokraten wollten sich im aufziehenden Wahlkampf als Fahrradfreunde profilieren. Mit großer Geste wurde die Schaffung einer Fahrradroute rund um die Alster verkündet. Anstatt aber an der östlichen Alsterseite anzufangen, wo bessere Bedingungen für Radfahrer dringend nötig (aber schwerer zu schaffen) sind, begann man im Westen, wo es einfach war – aber eben völlig überflüssig. Wer so handelt, fühlt sich mehr politischen Symbolen verpflichtet als der praktischen Lösung konkreter Probleme vor Ort.

So weit, so schlecht. Jetzt aber wird das Ärgernis zur Posse, wenn südlich der Rabenstraße ein funktionierender Radweg für 30.000 Euro abgerissen wird, die Fahrradstraße, die ihn ersetzen soll, aber erst in mehr als einem Jahr kommt. Den Abriss zu verschieben, schien der Verwaltung offenbar zu bürgerbezogen und lebensnah.