Meinung
Kommentar zum Zugunglück

Bad Aibling: Der Mensch ist ein Risikofaktor

Der Autor Korrespondent des Abendblatts in Berlin

Der Autor Korrespondent des Abendblatts in Berlin

Foto: Andreas Laible / HA

Ein Fehler an einer entscheidenden Stelle aber kann sich verheerend auswirken. Das wissen wir nicht erst seit Bad Aibling.

Menschliches Versagen hat zu dem Zugunglück von Bad Aibling geführt. So hat es die Staatsanwaltschaft bisher ermittelt. Wobei der zweite Teil der Aussage „mit katastrophalen Folgen“ besondere Aufmerksamkeit verdient. Denn Versagen – machen wir uns nichts vor –, versagen tun wir alle, ständig. Glücklicherweise hat es selten gravierende Folgen.

Ein Fehler an einer entscheidenden Stelle aber kann sich verheerend auswirken. Das wissen wir nicht erst seit Bad Aibling. Deshalb gibt es gut ausgearbeitete und in der Praxis tausendfach bewährte Vorschriften, verantwortungsbewusst ausgewähltes und gut ausgebildetes Personal, vielfach getestete und regelmäßig geprüfte Maschinen – und nicht zuletzt technische Sicherungsmaßnahmen, die Katastrophen verhindern sollen.

Hätte mehr Sicherheitstechnik das Unglück von Bad Aibling verhindern können? Vielleicht. Aber auch jede Technik ist menschengemacht. Technische Vorrichtungen oder Computer können zudem nur das leisten oder so reagieren, wie sie von Menschen zuvor gebaut oder programmiert worden sind. Sie können komplexe Situationen und deren Folgen nicht einschätzen oder sich verselbstständigen. Für diesen Fall ist letztlich der menschliche Eingriff auch in Sicherheitssysteme vorgesehen. Das eröffnet andererseits aber wieder Fehlerquellen.

Sei es, dass ein Pilot in selbstmörderischer Absicht gegen einen Berg steuert – oder eben ein Fahrdienstleiter zwei Züge auf eine eingleisige Strecke schickt. Im Falle des German-Wings-Piloten hat sich im Nachhinein herausgestellt, dass dessen psychischen Probleme durchaus hätten erkannt und so die Katastrophe hätte verhindert werden können. Im Falle Bad Aibling wissen wir noch zu wenig. Der Mann war nicht betrunken, hatte genügend Berufserfahrung. Und doch hat ihn irgendetwas zu seiner fatalen Entscheidung gebracht.

In den Cockpits von Flugzeugen wurde mit einer einfachen Regeländerung nun ausgeschlossen, dass einer der Piloten allein dort sitzt und aus welchen Gründen auch immer ungehindert Unheil anrichten kann. Allerdings haben die Staatsanwälte im Fall Bad Aibling auch festgestellt, dass das Unglück nicht passiert wäre, hätte sich der Verantwortliche an seine Regeln gehalten … Trotz aller Lehren aus und technischen Verbesserungen nach derartigen Ereignissen werden wir weiter in einem Spannungsfeld aus Möglichkeiten und Versagen leben müssen. Gerade in Deutschland haben wir es in Sachen Sicherheit weit gebracht. Wir können eines der risikoärmsten Leben weltweit führen. Risikolos wird es aber nie werden.