Meinung
Kommentar

Kein Allheilmittel gegen Islamisten

Gegen die Terrorgefahr braucht Hamburg mehr als nur Personal

Der Beschluss geschah mit klarer Mehrheit, und er beruhigt, zumindest ein wenig. Im Licht des islamistischen Schreckens von Paris und Istanbul stockt Hamburg das Personal des Verfassungsschutzes um zehn Stellen auf. Das hat die Bürgerschaft entschieden – ein ebenso schneller wie richtiger Schritt. Weder das Parlament noch die Gesellschaft dürfen sich aber der Illusion hingeben, in besserer Ausstattung des Geheimdienstes bereits eine Lösung gegen die andauernde Terrorgefahr gefunden zu haben.

Denn mehr Personal führt im Kampf gegen den Terror nicht zwingend zu größeren Erfolgen. Mit einigem Stolz können die Verfassungsschützer bislang behaupten, kleinste Knoten im Hamburger Netzwerk der Dschihadisten zu kennen – dies wird hoffentlich dank der zusätzlichen 1,3 Millionen Euro im Jahr auch so bleiben. Es herrscht Waffengleichheit, mehr aber auch nicht. Waffengleichheit mit einer Islamistenszene, die seit Jahren rasant wächst und auf der Suche nach Rekruten immer mehr in den Alltag junger Muslime hineinwuchert.

Die neuen Probleme der Sicherheitsbehörden bleiben dagegen ungelöst. Dazu zählen die „einsamen Wölfe“, die sich kaum vernetzen, plötzlich und mit aller Härte zu Terroranschlägen schreiten können. Und auch die Henker des „Islamischen Staates“ (IS), die ausgerechnet die Masse der friedlichen Flüchtlinge als Tarnung missbrauchen könnten. Diesen Phänomenen ist mit herkömmlichen Mitteln nicht beizukommen. Deshalb geht die Forderung, einfach immer noch mehr Personal einzustellen, ins Leere.

Der Verfassungsschutz hat längst erkannt, wie enorm wichtig es ist, junge Muslime frühzeitig vor der Ideologie der Verblendeten zu schützen. Mit dem Beratungsnetzwerk „Legato“ hat der Senat einen wichtigen Schritt getan, um den Zulauf für die Dschihadisten aufhalten zu können.

Nur den Familien und professionellen Helfern kann es gelingen, werdende Islamisten vor dem Wahnsinn zu retten. Hier liegt der Bedarf für weitere Maßnahmen der Politik. Prävention verdient denselben Stellenwert wie die Gefahrenabwehr. Nur so lässt sich der Sumpf des Islamismus austrocknen.