Meinung
Sie haben Post

E-Mails zwischen Hamburg und Berlin

Ein E-Mail-Wechsel von Abendblatt und „Cicero“

Christoph Schwennicke, Chefredakteur des in Berlin produzierten Magazins „Cicero“, und Lars Haider, Chefredakteur des Abendblatts, pflegen eine E-Mail-Freundschaft, die wir jeden Sonnabend veröffentlichen.

Schwennicke: Lieber Lars, heute fange ich mal an, wenn Du erlaubst: Was war da los bei Euch in Hamburg an Silvester?

Haider: Lieber Christoph, ja, das ist eine erstaunliche, eine erschreckende Geschichte. Bis Montag gab es „nur“ sechs Anzeigen wegen sexueller Belästigung in der Silvesternacht. Dann wurden die Vorfälle in Köln bekannt, und die Zahl der Anzeigen stieg innerhalb der Woche auf mehr als 70. Jetzt gibt es eine Einsatzgruppe bei der Polizei, die sich um das Thema kümmert.

Schwennicke: Habt Ihr gleich berichtet? War der Polizeibericht auch so seltsam harmlos wie in Köln?

Haider: Der Polizeibericht war völlig normal und sechs Anzeigen sind ja auf den ersten Blick auch nicht dramatisch für eine Silvesternacht auf dem Kiez. Die Bewertung der Nacht hat sich erst Tage später unter den Eindrücken von Köln verändert. Ich frage mich, wie sich das alles, die jüngsten Ereignisse und die Flüchtlingskrise auf die Landtagswahlen auswirkt. Kollegen von mir glauben an zweistellige Ergebnisse für die Alternative für Deutschland.

Schwennicke: Dann gehöre ich zu Deinen Kollegen.

Haider: Du glaubst, dass die AfD in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg mehr als zehn Prozent erhält? Und wer verliert?

Schwennicke: Die SPD schmiert ab. Die CDU verliert leicht. Und bildet am Ende doch drei große Koalitionen. Es sei denn, die FDP hat die Traute und macht die Ampel mit Kretschmann in Baden-Württemberg.

Haider: Warum verliert die SPD und nicht die CDU?

Schwennicke: Weil die SPD gar keine Linie hat. Die CDU in Person von Merkel hat wenigstens eine SPD-Linie. Aber die SPD ist nur noch erbärmlich.