Meinung
Kommentar

Der Beethoven-Bericht aus Bonn

Joachim Mischke ist Kultur-Redakteur beim Abendblatt

Joachim Mischke ist Kultur-Redakteur beim Abendblatt

Mit Obrigkeiten und Gehorsam hatte es Ludwig van Beethoven ja auch nicht so. Auf dem Ohr, in das ihm Dinge aufgezwungen werden sollten, war der Komponist schon taub, bevor er taub wurde. In dieser Tradition versteht sich offenbar auch eine nicht ganz kleine Gruppe besorgter Bürger im Beethovenstädtchen Bonn.

Dort nämlich steht eine Beethovenhalle, die saniert werden soll, nachdem alle Pläne für einen spektakulären Neubau in Chaos und Inkompetenz untergingen wie ein verlorener Groschen im Rhein. Die 1500 „Bürger für Beethoven“, die größte Ehrenämtler-Ansammlung dort, sind zwar auch weiterhin für Beethoven – aber eben genau deswegen nicht für die Spendenaktion, mit der die Lokalpolitik zehn Millionen Euro für die Baumaßnahmen zusammenbekommen wollte. Denn die Freizeit-Beethovenianer sehen in diesen Plänen nichts, was die akustische Misere verbessern würde. Und ein Saal, dessen Akustik der Musik ihres Lieblings gerecht würde, wäre erst recht nicht erkennbar. Dass dieser Verein zu den Befürwortern des gescheiterten Festspielhaus-Projekts zählt, macht die Sache zwar verständlicher, aber nicht einfacher. Die Kostenberechnung hat sich von knapp 40 Millionen als günstigere Variante auf rund 50 Millionen Euro verfestigt. Und der Verein „ProBeethoven“ ist übrigens anderer Meinung als die „Bürger für Beethoven“. Klingt nach einem Thema, das beim Umgang mit Millionen noch viel Freude machen wird.