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E-Mail-Wechsel zwischen Hamburg und Berlin

Ein wöchentlicher E-Mail-Wechsel von Abendblatt-Chefredakteur Lars Haider und „Cicero“-Chefredakteur Christoph Schwennicke.

Christoph Schwennicke, Chefredakteur des in Berlin produzierten Magazins „Cicero“, und Lars Haider, Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, pflegen eine E-Mail-Freundschaft, die wir seit Längerem jeden Sonnabend an dieser Stelle veröffentlichen.

Lars Haider: Lieber Christoph, ich wünsche Dir ein großartiges neues Jahr! 2016 wird ja wieder der Nannen-Preis verliehen, da haben wir uns ja kennengelernt! Wer sind Deine Favoriten?

Christoph Schwennicke: Lieber Lars, dazu sollte ich mich besser nicht öffentlich äußern. Ich sitze in der Jury. Was ich sagen kann: Ich freue mich, dass „Stern“ und Gruner + Jahr den Preis reanimiert haben. Weniger pompös, aufs Wesentliche konzentriert: exzellenten Journalismus. Schickt Ihr was ein aus dem Abendblatt?

Haider: Natürlich, allein schon, um zu zeigen, dass wir uns sehr freuen, dass es den Preis wieder gibt. Normalerweise sind Regionalzeitungen in den auf Magazine zugeschnittenen Kategorien ja chancenlos ... Ich glaube, „Spiegel“ und „Stern“ räumen ab. Und „Cicero“ selbstverständlich! Ich kann doch davon ausgehen, dass Du ausschließlich fürs Abendblatt stimmen wirst? Dann hätten wir schon zwei Stimmen, Giovanni di Lorenzo ist uns eh sicher :-)

Schwennicke: Oh, das stimmt nicht so ganz mit den chancenlosen Regionalzeitungen, wenn ich an die letzten Male denke. Insgesamt habe ich ohnehin den Eindruck, dass die Auflagen zwar im Schnitt sinken, der angebotene Journalismus in diesem Existenzkampf im Schnitt zugleich besser denn je ist. Und das mit weniger Ressourcen.

Haider: Das stimmt!! Wie muss man sich den neuen Nannen-Preis vorstellen? Und wie eine Jurysitzung, in der lauter Chefredakteure in einem Raum eingesperrt sind? Auch solche, die nicht ziemlich beste Freunde sind.

Schwennicke: Die Verleihung selbst wird wohl nicht so opulent sein wie früher. Was ich nicht schlimm finde. Wenn die Zeiten andere sind, sind auch die Feste andere. Um herausragende Texte, Autorinnen und Autoren auszuzeichnen, braucht es keinen Pomp, sondern gute Laudatoren und eine weise Wahl. Und die kollegiale Gabe, sich für die Gewinner mitfreuen zu können. Dann wird das ein großes Fest. Die Sitzungen habe ich in sehr guter Erinnerung. Exzellent geleitet, sehr professionell, mit wechselseitigem Respekt, auch bei Kontroversen, die dazugehören.

Haider: Das wird sich hoffentlich nicht ändern, wenn Du diesmal laut und vehement fürs Abendblatt eintrittst! Es ist ja für eine gute Sache ...