Meinung
Kommentar

Gewichtheben sollte nicht mehr olympisch sein

Andreas Hardt

Andreas Hardt

Foto: Klaus Bodig

Der Mann hat großen Sprachwitz, das muss man ihm wirklich lassen. „Wir bleiben positiv“, sagt Christian Baumgartner, der Präsident des Bundesverbandes Deutscher Gewichtheber. 24 Sportler wurden bei der letzten WM im November in Houston des Dopings überführt, 24 von etwas über 200 Proben waren positiv. Über zehn Prozent. Das ist niederschmetternd oder aufbauend. Je nach Standpunkt.

Nun räumen sie auf. Ist doch positiv. Rund 600 Überführte gab es in den letzten 13 Jahren. Die Dunkelziffer ist natürlich viel höher. Vor allem in der Vergangenheit. Der absurde Versuch, weit mehr als das Doppelte des eigenen Körpergewichts in die Luft zu bringen, geht eben nicht ohne Mittelchen. Schon in der Antike tranken sie vor den Wettkämpfen einen Becher Stierblut.

Gerd Bonk, der 2014 mit 63 Jahren als Spätfolge des Dopings starb, ist in Deutschland wohl der bekannteste Fall. Aber der kam ja aus der DDR, das war ein Unrechtssystem. Wir bleiben positiv. Oder? Der heutige Hotelier und Olympiasieger von 1984, Rolf Milser, hatte sich bis 1977 offen zu seinem Gebrauch von Anabolika bekannt. Er galt lange Jahre als Bundestrainer als Teil des Systems. Wusste, wann man was absetzen musste. Man kann das positiv sehen. Muss man aber nicht.

Jetzt kämpfen sie im Weltverband, aber sie werden so erfolgreich sein wie Don Quichotte gegen die Windmühlen und Barack Obama gegen die Waffenlobby. 2020 besteht die Chance, die gesamte Sportart aus dem olympischen Programm zu werfen. Das wäre positiv, auch wenn Christian Baumgartner dann der Humor vergeht.

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