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E-Mail-Wechsel: Zwischen Hamburg und Berlin

Lars Haider, Chefredakteur des Hamburger Abendblatts

Lars Haider, Chefredakteur des Hamburger Abendblatts

Foto: Andreas Laible / HA

Ein E-Mail-Wechsel von Abendblatt und "Cicero".

Christoph Schwennicke, Chefredakteur des in Berlin produzierten Magazins „Cicero“, und Lars Haider, Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, pflegen seit Langem eine E-Mail-Freundschaft, die wir an jedem Sonnabend an dieser Stelle veröffentlichen.

Haider: Lieber Christoph, man ist ja schnell dabei, den Russen und Wladimir Putin zu misstrauen. Aber nach dem Abschuss ihres Kampfjets haben sie sich sehr umsichtig und lobenswert verhalten, finde ich. Wie der Außenminister die Schärfe aus der Diskussion genommen hat, verdient unser aller Respekt. Dafür verstehe ich jetzt die Türkei nicht mehr.

Schwennicke: Finde ich nicht. Die Russen wandeln rhetorisch genauso kühn auf der dünnen Linie zwischen Krieg und Frieden wie die Kampfjets an den Lufträumen der Türkei vorbeischrammen oder auch mal kurz eindringen. Und den veröffentlichten Funksprüchen der Türken glaube ich bei ebenso gebotener Vorsicht gegenüber Erdogan mehr als der Aussage des angeblich geretteten Piloten, der keine Warnungen empfangen haben will.

Haider: Kann eine Allianz im Kampf gegen den Terror trotz dieser erheblichen Verstimmungen gelingen? Ohne Russland wird Frankreich seine Ziele wohl kaum erreichen können.

Schwennicke: Stimmt. François Hollande versucht ja genau das in einer Art Pendeldiplomatie zwischen Obama und Putin hinzukriegen. Das Atomabkommen mit dem Iran hat gezeigt: Ohne Russland geht es nicht in der Region.

Haider: Kann Deutschland da vermitteln?

Schwennicke: Ja. Putin hat einen ungeheuren Argwohn gegen alle westlichen Staats- und Regierungschefs. Am ehesten geht noch was mit Angela Merkel.

Haider: Immerhin steigt sie wieder in der Beliebtheit der Deutschen.

Schwennicke: Wahrscheinlich aus Mitgefühl. Weil sie so vergrippt war im Bundestag …

Haider: Das sagst Du ja nur, weil ihr im neuen „Cicero“ Julia Klöckner als mögliche Kanzlerkandidatin präsentiert – übrigens in einer sehr lesenswerten Geschichte. Fast hätte ich den Eindruck bekommen, die Klöckner könnte meinem Olaf Scholz gefährlich werden. :)

Schwennicke: Die beiden tanzen ja auf zwei ganz verschiedenen Hochzeiten. Regional und parteipolitisch. Keine Sorge. Die kommt Deinem Olaf nicht in die Quere. :)