Meinung
Schumachers Woche

Ein Minister gegen die Angsthasen

Neulich hat Bulli bei den Braunkohle-Leuten angerufen, am Niederrhein und in der Lausitz. Die können doch neue Dörfer bauen. Bulli wollte wissen, was so ein Dorf kostet, für 1000 oder 2000 Menschen. Oder neue Stadtviertel für die Flüchtlinge. Die Bürgermeister werden begeistert sein. Wer zu seinen 29.000 Einwohnern 1000 Neubürger bekommt, wird Oberbürgermeister. Klingt doch viel besser.

Klaus Bouillon ist gerade 68 geworden. Er kann grillen, surfen und regieren. 31 Jahre war er Bürgermeister von St. Wendel. Er hat die Zahl der Betriebe von 300 auf über 1000 erhöht. Er duzt Kanzleramtsminister Peter Altmaier und Sozialistenführer Oskar Lafontaine. Die 900.000 Saarländer kennen sich halt.

Bouillon ist das beste Argument gegen starre Ruhestandsregeln. Vor einem Jahr hat ihn Ministerpräsidentin Kramp-Karrenbauer zum Innenminister gemacht. Eigentlich ist Bulli in der CDU, aber das kann der Sohn eines Hilfsarbeiters nicht so zeigen. Frauen mit Perlen-Ohrringen mokierten sich einst, dass der Bürgermeister ohne Schlips auftrete. Seine längste Rede dauerte zwölf Minuten. Der Mann schätzt kurze Wege. Sein Büro hat er im Sommer in eine Flüchtlingsunterkunft verlegt. Als der Ansturm kam, hat er Offiziere von der Bundeswehr geholt. In zwei Schichten wurden Anträge bearbeitet, von morgens fünf bis nachts um zehn. Auch am Wochenende. Geht. „Wofür bin ich denn Minister?“ Pro Einwohner hat das Saarland so viele Flüchtlinge wie Berlin oder Hamburg. Aber Bulli will keine einzige Turnhalle belegen.

Deutschlands größtes Problem? „Angsthasen in den Behörden“, sagt Bulli, „die entscheiden nicht.“ Weil die Mitarbeiter wiederum die Entscheidungsangst an der Spitze spüren. Im Zweifel nicht unterschreiben, sagt der Berliner Senator Czaja öffentlich, wegen der Haftung. Derweil frieren Menschen morgens um zwei vor seiner Behörde fest.

„Im Zweifel Handschlag und machen“, entgegnet Bulli, „Mitarbeiter ermutigen, fordern und schützen, wenn was schiefläuft.“

Neulich hat Bouillon mit saarländischen Handwerkern ein Modulhaus entwickelt, für 40 Menschen und 250.000 Euro, steht in drei Monaten. Wird jetzt gebaut. Bullis Vorteil: Er hat keine Angst. Denn er ist unabhängig, immun gegen die Droge Aufstieg. Wenn ihm einer quer kommt, geht er in Pension. Aber vorher will er im Saarland noch ein neues Dorf gründen. Der Name? Neu-Aleppo.