Meinung
Leitartikel

Ein Thema, das viele Menschen bewegt

Der Autor ist Chefredakteur des Hamburger Abendblatts

Der Autor ist Chefredakteur des Hamburger Abendblatts

Foto: Andreas Laible / HA

Das Hamburger Olympia-Referendum zeigt, wie wichtig den Menschen die Zukunft der Stadt ist.

Eins steht schon jetzt, einen Tag vor dem Ende des Referendums, fest: Hamburg sind die Olympischen Spiele sehr, sehr wichtig. Kaum jemand hat damit gerechnet, dass die Wahlbeteiligung bei diesem Volksentscheid nah an jene bei der vergangenen Bürgerschaftswahl (!) heranreicht. Das zeigt, dass Olympia auf jeden Fall ein Thema ist, das viele Menschen in der Stadt bewegt. Es zeigt auch, dass diesen Menschen die Zukunft Hamburgs nicht gleichgültig ist, dass sie dabei mitgenommen werden wollen. Ein in der möglichen Dimension einmaliger Vorgang in der Stadtgeschichte, und wahrscheinlich einer, der sich so nicht wiederholen lassen dürfte. Zumindest fällt es schwer, sich ein Thema vorzustellen, das Hamburg in ähnlicher Weise auf die Beine bringen könnte wie Olympia.

Die hohe Beteiligung am Referendum beweist dabei auch, dass es eine Sehnsucht nach etwas gibt, das Hamburg verbindet. Etwas, über das die Menschen dieser Stadt debattieren und streiten können, das reiche und arme Stadtteile genauso zusammenbringt wie Kultur und Sport oder Wirtschaft und Umwelt. Den Olympischen Spielen, beziehungsweise zunächst einmal der Hamburgischen Abstimmung darüber, ist genau das gelungen. An unzähligen runden Tischen, bei Podiumsdiskussionen oder großen Ereignissen (Olympische Ringe im Stadtpark!) wurde über Visionen für Hamburg gesprochen wie selten zuvor. Eins hörte man dabei überall heraus: Nach der nahenden Fertigstellung von HafenCity und Elbphilharmonie braucht die Stadt ein nächstes großes Ziel, ein Bild von der Zukunft. Mit dem, was Hamburg jetzt hat, zufrieden zu sein, kommt angesichts der zunehmenden Konkurrenz der Metropolen nicht in Frage. Und das ist gut so, weil Stillstand bekanntlich Rückschritt ist.

Den will in Hamburg offensichtlich keiner, im Gegenteil. Die Bürger haben mit der Beteiligung am Referendum zwei klare Signale gesendet: Erstens, dass sie in Planungen für ihre Stadt einbezogen werden wollen. Und zweitens, dass es auch im 21. Jahrhundert mit all seiner Individualisierung noch gelingen kann, gemeinsame Sache zu machen.

Das Olympia-Referendum strahlt damit nach innen, wird aber auch stark nach außen wirken. Der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes sieht in dem Volksentscheid auch eine Abstimmung über die Zukunft des deutschen Sports und über die Idee von kleineren, nachhaltigen Olympischen Spielen. Damit weist er den Hamburgern eine hohe Verantwortung zu, weil schließlich nur hier die Bürger gefragt werden, ob sie die Bewerbung wollen oder nicht. Paris, Rom, Los Angeles und Budapest verzichten darauf genauso wie auf Finanzpläne, die jeden einzelnen Kostenpunkt detailliert und zu den erwarteten Preisen von 2024 offenlegt. Beides ist international registriert worden, beides wäre bei einem Ja für Olympia bei der Vergabe ein Vorteil für Hamburg.

Bleibt festzuhalten, dass die hohe Beteiligung am Referendum auch deswegen so bemerkenswert ist, weil es an diesem Sonntag nicht darum geht, ob Hamburg Olympische Sommerspiele erhält – sondern „nur“ darum, der Stadt diese Möglichkeit offenzuhalten. Dagegen kann kaum jemand etwas haben, weil die Kosten der Bewerbung überschaubar und weitgehend finanziert sind und weil Hamburg auf dem Weg zur Entscheidung in Lima 2017 so oder so bekannter werden wird. Auf jeden Fall würde eine Olympiakampagne dieser Stadt deutlich mehr nutzen als Paris, Rom oder Los Angeles, die nun wirklich keine Werbung mehr brauchen.

Wer noch nicht abgestimmt hat, kann das an diesem Sonntag nachholen. Und damit Deutschland und der Welt zeigen, dass uns Hamburgern die Zukunft unserer Stadt nicht egal ist.