Meinung
Gastbeitrag

Hamburg hat etwas Besseres als Olympia verdient

Initiative NOlympia kritisiert hohe Kosten, Rückbaupläne des Olympiastadions, warnt vor drohenden Mietpreissteigerungen und Verdrängung der Einkommensschwachen

Bürgermeister Olaf Scholz verspricht: Die Spiele werden Hamburg nicht mehr als 1,2 Milliarden Euro kosten, den Rest – immerhin stattliche 6,2 Milliarden Euro – müsse der Bund übernehmen. Die mit 1,3 Milliarden veranschlagte Verlagerung des Hafens muss Hamburg tragen, sei es aus Haushaltsmitteln oder als versteckte Schulden im Etat der Hamburg Port Authority (HPA). Darüber hinaus kann Hamburg der gesamtschuldnerischen Haftung, die es mit dem vom IOC vorgegebenen Vertrag unterzeichnet, nicht entgehen und geht damit unabsehbare finanzielle Risiken ein. Genau davor hatte der Rechnungshof gewarnt.

Jetzt schon wird an allen Ecken und Enden in der Stadt gekürzt, und Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit müssen schließen. Egal, wie viele Milliarden Olympia den Hamburger Haushalt am Ende kostet: Das Geld fehlt dort, wo es am dringendsten gebraucht wird.

Versprochen werden nachhaltige Spiele – tatsächlich soll mit weit mehr als einer halben Milliarde Euro ein Stadion gebaut werden, das Hamburg nach den Spielen nie mehr braucht. Das Stadion soll überwiegend abgerissen werden. Auf dem Rest sollen 400 Luxuswohnungen mit gelegentlichen Sportveranstaltungen für 20.000 Zuschauer entstehen – ein monströser Bau, der ein ähnliches Schicksal wie die Elbphilharmonie haben dürfte: immer teurer, immer später fertig. Und das Projekt Olympische Spiele schadet schon jetzt!

Schon jetzt werden aus öffentlichen Mitteln Millionenbeträge für die Bewerbung ausgegeben, die an anderer Stelle fehlen. Schon jetzt sind viele Mitarbeiter der Behörden und stadteigenen Unternehmen nur noch mit der Olympiaplanung beschäftigt; drängende Aufgaben bleiben liegen. Schon jetzt explodieren die Grundstückspreise in der Umgebung des Kleinen Grasbrooks. Und schon jetzt treffen nicht die Bürgerschaft, der Senat und schon gar nicht die Bürgerinnen und Bürger die wesentlichen Entscheidungen zu Olympia und dem geplanten Stadtteil, sondern die Bewerbungsgesellschaft Hamburg 2024 GmbH, in der der Deutsche Olympische Sportbund mit 51 Prozent der Anteile das Sagen hat.

Die Entscheidung für oder gegen Hamburgs Olympiabewerbung wird eine Weichenstellung für die Entwicklung Hamburgs in den nächsten Jahrzehnten sein. Bekäme die Olympiabewerbung beim Referendum eine Mehrheit, müssten alle Ressourcen dahin fließen, Hamburg „olympiatauglich“ zu machen. Umweltschutzrecht, Baurecht und Bürgermitbestimmung werden den Olympiaplänen angepasst und untergeordnet. Wenn Hamburg den Zuschlag erhält, wird sich Olympia mit all seinen Begleiterscheinungen in der ganzen Stadt bemerkbar machen: für IOC-Funktionäre reservierte Fahrspuren, Sicherheitszäune um die Austragungsstätten und Dauerbaustellen.

Olympische Spiele sollen genutzt werden, um mit Hilfe von Bundesmitteln auf dem Kleinen Grasbrook einen neuen Stadtteil zu bauen. „Blaupause“ für diesen Stadtteil ist nach Angaben der Planer die HafenCity. Nach deren Vorbild ist die Finanzierung durch den Verkauf der bisher städtischen Grundstücke an private Investoren vorgesehen. Auch die Preise für Wohnraum werden sich daran orientieren – allein um die Grundstückspreise zu refinanzieren. Wenn auf dem Kleinen Grasbrook auch geförderte Wohnungen entstehen, gilt deren geringere Miete nur für eine begrenzte Zeit, um dann wieder auf das HafenCity-Niveau anzusteigen. Olympia treibt wie bei allen anderen Olympiastädten die Mieten nicht nur in der unmittelbaren Umgebung nach oben und verdrängt Bewohner ohne hohes Einkommen.

Wir von NOlympia Hamburg sind der Überzeugung, dass dieses Mega­event unserer Stadt massiv schaden wird – finanziell, ökologisch und sozial. Hamburg verdient etwas Besseres. Eine Politik, die nicht mehr auf große und kurzfristige Events und Leuchtturmprojekte setzt, sondern sich an den grundlegenden Bedürfnissen der Mehrheit der Bevölkerung orientiert. Eine ausreichend finanzierte öffentliche Daseinsvorsorge, menschenwürdige Bedingungen für diejenigen, die vor Krieg und Hunger hierher fliehen, wirklicher sozialer Wohnungsbau und eine flächendeckende Finanzierung des Breitensports. Wer für Hamburg eine gute Zukunft will, stimmt beim Referendum mit Nein!