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Zwischen Hamburg und Berlin

Ein E-Mail-Wechsel von Abendblatt und "Cicero"

Christoph Schwennicke, Chefredakteur des in Berlin produzierten Magazins „Cicero“, und Lars Haider, Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, pflegen eine E-Mail-Freundschaft, die wir jeden Sonnabend an dieser Stelle veröffentlichen.

Haider: Lieber Christoph, Du kannst dir vorstellen, dass es hier bei uns in Hamburg nur ein Thema gibt: Helmut Schmidt. Wie würdest du seine Leistungen als Kanzler einordnen, insbesondere im Vergleich zu seinem direkten Nachfolger Helmut Kohl und zu den anderen SPD-Kanzlern?

Schwennicke: Dafür, dass er nach eigener Aussage Angst vor dem Amt hatte, hat er es furchtlos ausgeübt. Es bleibt jetzt keine historische Leistung wie die Ostpolitik bei Brandt, die Agenda und das Irak-Nein bei Schröder und auch keine Wiedervereinigung. Aber es ist eine enorme Leistung, dass er sich nicht erpressbar gemacht hat im Kampf mit der RAF. Er hat sich da nicht von Gefühlen leiten lassen, sondern von Verantwortung. Und trug dafür zeit seines Lebens daran.

Haider: Wie meinst du das, dass er zeit seines Lebens daran trug?

Schwennicke: Seine Standhaftigkeit hat die Geisel Hanns-Martin Schleyer das Leben gekostet. Daran trug er.

Haider: Wie siehst du den Helmut Schmidt in der Zeit nach seiner politischen Karriere, in der er ja erst vom Kanzler zur moralischen Instanz oder dem Übervater der Deutschen wurde? Von einem gewissen Punkt reichte ja ein Satz von Schmidt, um das Land nachhaltig zu erschüttern …

Schwennicke: Genau. Und der Satz war oft nur deshalb richtig, weil er ihn gesagt hat. Das muss man erstmal hinkriegen.

Haider: Das gelingt sonst nur dir. Fehlen solche Typen wie Helmut Schmidt heute in der Politik, also die Macher mit der klaren Kante beziehungsweise Schnauze? Angela Merkel zumindest scheint eher das Gegenmodell zu sein, und die ist ja als Kanzlerin auch nicht wenig erfolgreich gewesen, also so alles in allem.

Schwennicke: Du kannst ja schlawinerhaft doppelbödige Komplimente machen .. :-) Zur Frage: Ja, ich wünschte mir zur Zeit mehr Schmidt in Merkel. Weniger Gesinnungsethik, mehr Verantwortungsethik. Gefühle zeigen, sie aber nicht zur Richtschnur von Politik machen. Das ist am Ende verantwortungslos. Auch und gerade den Flüchtlingen gegenüber.

Haider: Das könnte fast eines der Schmidtschen Vermächtnisse sein.

Schwennicke: Dann lassen wir es doch so stehen.