Meinung
Matz ab

Der HSV ist mal wieder dran, Herr Schiedsrichter

Dieter Matz, HSV-Experte und Blog-Vater ("Matz ab"), mit seiner Freitags-Analyse

Dieter Matz, HSV-Experte und Blog-Vater ("Matz ab"), mit seiner Freitags-Analyse

Foto: Andreas Laible / HA

Die Wahrheit liegt nicht immer auf dem Platz. Fehler der Unparteiischen können Fußballspiele entscheiden – aber am Ende wird jeder mal bevorzugt

Fußball ist ja bekanntlich ein sehr einfaches Spiel. Heißt es ja immer wieder. Fußball können alle. Auf jeden Fall mit dem Mund. Einmischen und mitreden ist ein Kinderspiel. Und was gibt es nicht alles schon an herrlichen Sprüchen, die sich um den Fußball ranken und stets zitiert werden. „Der nächste Gegner ist immer der schwerste.“ Und: „Der Ball ist rund.“ Oder: „Ein Spiel dauert 90 Minuten.“ Ganz nett auch, vielleicht aber ein bisschen extravagant: „Unsere Spieler stoppen den Ball weiter, als der Gegner schießen kann.“ Und dann gibt es noch diesen hier: „Im Fußball gleicht sich immer wieder alles aus.“ Oft belächelt, aber es steckt wohl doch viel Wahrheit drin.

HSV-Fans wissen das spätestens seit dem 1:0-Sieg von Hannover 96 in Köln am vergangenen Wochenende. Der Däne Leon Andreasen erzielte das Siegtor im Stile eines Faustballers – mit dem Arm. Und genau diese Aktion brachte die Kölner, aber nicht nur sie, auf die Palme. Ein irreguläres Tor. Auch das sahen (fast) alle. Nun aber kommt der „Ausgleich“ bei dieser Geschichte. Am 29. August 2015 siegten die Kölner 2:1 gegen den HSV. Durch einen unberechtigten Foulelfmeter, den nur Schiedsrichter Deniz Aytekin gesehen hatte. Dass der HSV dazu noch Emir Spahic per Platzverweis verlor, war eine Randnotiz. Hamburg war sauer.

Die Kölner aber nicht. „Den Elfmeter kann man geben, muss man aber nicht.“ So schallte es seinerzeit vom Rhein zur Elbe herüber. Und so mancher FC-Offizielle (auch Manager Jörg Schmadtke) musste sich ein Schmunzeln verkneifen. Der frühere Kölner Nationaltorwart Harald „Toni“ Schumacher sagte nur Tage danach als Gast der Hamburger Fußball-Gala im Hotel Elysée: „Der HSV soll nicht jammern, der spielt dank einiger Fehlentscheidung immer noch in Liga eins ...“

Kann man so sehen, muss man aber nicht. Es gleicht sich eben alles aus. Früher oder später jedenfalls. In diesem Fall etwas früher. Und das ist gut so, denn schon haben sich zwei krasse Fehlentscheidungen relativiert. Der HSV kann jetzt berechtigte Hoffnungen hegen, dass er demnächst mal wieder etwas bevorteilt wird. Oder etwa nicht? Weil er vielleicht in diesem Reigen schon vorher, nämlich als erster Club, dran war?

Die Fehler, die immer wieder mal auch im ganz großen Fußball passieren, mögen eventuell auch zum Lächeln anregen – aber die Leidtragenden sind immer auch die Schiedsrichter. Für sie wird eine so gravierende Fehlentscheidung gelegentlich zum wochenlangen Spießrutenlauf. Natürlich auch deshalb, weil die Spieler (und Trainer) oft ein „linkes“ Spiel spielen. Siehe Hannover in Köln. Andreasen rannte nach seinem Hand-Tor spontan zu seinem Coach Michael Frontzeck, um mit ihm taktische Dinge zu besprechen. Das Hand-Tor spielte keine Rolle, da sind sich die Protagonisten absolut sicher. Es waren lediglich taktische Anweisungen, die ausgetauscht wurden. Ein neues Fußball-Märchen. Und wer das glaubt, der sollte vielleicht Bundesliga-Trainer werden – oder Fifa-Präsident. Der Posten ist zurzeit vakant. Aber das ist ein anderes Thema.

Sicher ist nur, dass es die Unparteiischen heutzutage aufgrund dieser vielen „taktischen Anweisungen“ immer schwerer haben. Früher, als Erich Rutemöller und Frank Ordenewitz („Mach’ et, Otze“) hinterher noch die Wahrheit sagten, war die Fußballwelt noch in Ordnung, heute spielt Fairplay keine Rolle mehr. Ehrlich währt am längsten? Aber nicht doch! Die Betrüger sind unter uns. Auf dem Rasen und wenige Meter daneben. Davon kann sich jeder Fan Woche für Woche viele Male überzeugen – mit den einfachsten Dingen: Bei jedem zweiten Aus-Ball reißen oft Freund und Feind die Arme hoch, um den Einwurf für sich zu reklamieren. Und der Trainer macht mit. Selbstverständlich. Obwohl sie es besser wissen. Jeder ist sich selbst der Nächste. Es geht doch um Millionen, um Abstieg und um Arbeitsplätze.

Wenn es nicht so dramatisch wäre, könnte man darüber schmunzeln. Aber so oder so, es gleicht sich ja immer alles wieder aus. Und vielleicht geht der HSV ja heute gegen Hoffenheim mal wieder in Vorlage? Er wäre jetzt nach meinem Empfinden mal wieder dran ...

Die HSV-Kolumne Matz ab erscheint auch täglich im Internet unter www.Abendblatt.de/matz-ab.