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Zwischen Hamburg und Berlin

Christoph Schwennicke, Chefredakteur des in Berlin produzierten Magazins „Cicero“, und Lars Haider, Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, pflegen seit längerem eine E-Mail-Freundschaft, die wir jeden Sonnabend an dieser Stelle veröffentlichen.

Lars Haider: Lieber Christoph, ich muss immer noch an Angela Merkels Auftritt bei Anne Will denken. Das war eine andere Bundeskanzlerin als die, die ich glaubte zu kennen. Was macht die Flüchtlingsfrage aus Angela Merkel?

Christoph Schwennicke: Eine Frau, die zu allem entschlossen ist. Das ist jetzt ihr Schröder-Moment.

Lars Haider: Heißt was genau? Nächste Abfahrt Vertrauensfrage?

Christoph Schwennicke: Ich meine weniger Afghanistan und Schröder. Sondern Agenda und Schröder. Aber ja: Sie regiert im Moment gegen eine immer größer werdende Zahl an Leuten in ihrer eigenen Bundestagsfraktion. Bei Griechenland war das schon beträchtlich. Aber was sich jetzt als Feind im eigenen Lager formiert, ist ungleich größer.

Lars Haider: Aber sie tut das, so mein Eindruck, weil ihr das Thema so wichtig ist, wichtiger ist als jedes parteipolitische Kalkül. Und sie zeigt damit eine weniger bekannte Seite von sich, die sie vielleicht sogar noch stärker machen kann – wenn sie den Kurs durchhält.

Christoph Schwennicke: Ja. Sie setzt da alles auf eine Karte. Scheitern als Möglichkeit inbegriffen. Du weißt, dass ich das für ihren schwersten Fehler halte, diesen Kurs der uneingeschränkten Aufforderung zum Kommen.

Lars Haider: Das Interessante ist: Zum ersten Mal in ihrer Zeit als Kanzlerin hat man den Eindruck, dass ihre Politik sowohl gut- als auch schiefgehen kann.